Archipel von Inger-Maria Mahlke ist als bester Roman des Jahres in deutscher Sprache mit dem Deutschen Buchpreis 2018 ausgezeichnet worden. Das gab der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bekannt. Die Berliner Schriftstellerin erzählt in Archipel die Geschichte dreier Familien aus unterschiedlichen Klassen auf der Kanareninsel Teneriffa. Durch viele schillernde Details werde das Buch zu einem "eindrücklichen Ereignis", begründete die Jury die Auszeichnung. Es ist das erste Mal seit fünf Jahren, dass eine Frau die wichtigste Auszeichnung der Branche gewinnt.

Der Blick der 1977 geborenen Autorin für die feinen Verästelungen in den familiären und sozialen Beziehungen auf Teneriffa sei faszinierend, so die Jury. "Gerade hier verdichten sich die Kolonialgeschichte und die Geschichte der europäischen Diktaturen im 20. Jahrhundert." Mahlke erzähle "auf genaue und stimmige Weise von der Gegenwart bis zurück ins Jahr 1919". General Franco hatte 1936 auf Teneriffa seinen Putsch gegen die Spanische Republik begonnen.

Mahlke ist in Hamburg geboren und in Lübeck aufgewachsen, hat aber einen Teil ihrer Kindheit auf der Kanareninsel verbracht. Sie studierte an der Freien Universität Berlin Jura und arbeitete zuerst am Lehrstuhl für Kriminologie in Berlin, ehe sie sich ganz dem Schreiben widmete. Im Jahr 2010 veröffentlichte sie ihren Debütroman Silberfischchen. Für einen Auszug aus dem zweiten Roman Rechnung offen erhielt sie beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2012 einen Nebenpreis. Ihr historischer Roman Wie Ihr wollt über die Gesellschaft Englands im 16. Jahrhundert gelangte 2015 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Mehrstufiges Verfahren bis zur Preisvergabe

Im Finale um den Deutschen Buchpreis 2018 standen sechs Autorinnen und Autoren mit je einem Werk. Neben Mahlke waren María Cecilia Barbetta (Nachtleuchten), Maxim Biller (Sechs Koffer), Nino Haratischwili (Die Katze und der General), Susanne Röckel (Der Vogelgott) und Stephan Thome (Gott der Barbaren) nominiert. Die Gewinnerin erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro, die anderen fünf Finalisten bekommen jeweils 2.500 Euro. Der Sieger wird traditionell am Vorabend der Frankfurter Buchmesse im Römer, dem Frankfurter Rathaus, bekannt gegeben.

Der Buchpreis wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels seit 2005 vergeben. Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfen Titel einreichen. Eine Jury aus sieben Kritikern, deren Besetzung jährlich wechselt, wählt zunächst 20 Romane für die Longlist aus. Später wird die Auswahl auf eine Shortlist von sechs Nominierungen verkürzt. Auf der Longlist für den Buchpreis 2018 standen unter anderem bekannte Autorinnen und Autoren wie Helene Hegemann, Arno Geiger, Eckhart Nickel und Adolf Muschg. Insgesamt sichteten die sieben Jurymitglieder 199 Titel.

Der Deutsche Buchpreis gilt als wichtigste Auszeichnung der Branche. Er hat deutlichen Einfluss auf die Verkaufszahlen, die Sieger schaffen es in der Regel auf einen vorderen Platz der Bestsellerlisten. Im vergangenen Jahr erhielt der österreichische Schriftsteller Robert Menasse für seinen Roman Die Hauptstadt die Auszeichnung.