Der Literaturpreis der Neuen Akademie geht an die Schriftstellerin Maryse Condé aus dem französischen Überseedepartement Guadeloupe. Der Preis wurde als Alternative zu dem in diesem Jahr nicht verliehenen Literaturnobelpreis ins Leben gerufen. Die Jury lobte Condés Werk als wichtigen Teil der Weltliteratur.

Die 82-jährige habe in ihren Büchern respektvoll und präzise, aber auch mit Humor sowohl über die Verheerungen des Kolonialismus als auch die chaotische Zeit des Postkolonialismus geschrieben, teilte die Jury mit. Der Preis soll am 9. Dezember in Stockholm verliehen werden – einen Tag vor der Verleihung der Nobelpreise.

Condé sagte nach der Bekanntgabe, sie wolle den Preis mit "meiner Familie, mit meinen Freunden und vor allem mit allen Menschen Guadeloupes teilen". Das Land werde sonst "nur erwähnt, wenn es Hurrikans oder Erdbeben gibt". Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von einer Million schwedischer Kronen (97.000 Euro) dotiert.

Condé wurde 1937 in Pointe-à-Pitre in Guadelope geboren. Im Alter von 16 Jahren zog sie von der karibischen Inselgruppe nach Frankreich. Sie hat etwa 30 Romane veröffentlicht. Bekannt wurde sie vor allem durch die Familiensaga Segu, in der sie die Geschichte der westafrikanischen Familie Traoré erzählt (Segu: Mauern aus Lehm (1984), Wie Spreu im Wind (1985)). Zuvor hatte Condé mehr als ein Jahrzehnt in Guinea, Ghana und dem Senegal gelebt. In Das verfluchte Leben (1987) schilderte sie den Weg einer karibischen Familie, die versucht, der Armut auf einer Plantage auf Guadeloupe entkommen.

Neben Condé waren auch die kanadische Schriftstellerin Kim Thúy, der Fantasyautor Neil Gaiman aus Großbritannien und der japanische Schriftsteller Haruki Murakami unter den Finalisten. Murakami hatte allerdings seine Nominierung abgelehnt, da er sich aufs Schreiben konzentrieren und deswegen von den Medien fern halten wolle.

Eine Gruppe von Kulturschaffenden hatte den Preis ins Leben gerufen, nachdem die schwedische Akademie als Reaktion auf Missbrauchsvorwürfe in ihrem Umfeld angekündigt hatte, 2018 keinen Literaturnobelpreis zu vergeben. Ursprünglich hatten schwedische Bibliothekare 47 Autorinnen und Autoren für den Preis nominiert. Die Finalisten wurden in einer öffentlichen Onlineabstimmung gewählt, eine vierköpfige Jury bestimmte schließlich die Preisträgerin.