Hunderte Male hat man sich geschworen – ach was! – Tausende Male, nicht mehr über ihn zu schreiben. Wenigstens bis Jahresende. Irgendwann muss doch mal Schluss damit sein. Aber die Wahl in Bayern rückt immer näher heran, und er hörte einfach nicht auf, Welpen in die Kamera zu halten, auf dem Bootssteg zu lümmeln, angeschnallt im Auto zu sitzen. Wer diese Bilder anschauen kann, ohne eine Kolumne zu schreiben, der werfe die erste Lederhose. Und dann, man hatte sich endlich einigermaßen im Griff, war nahezu runter von diesem verführerischen Söderzeug, kommt das. Markus Söder wartet nicht darauf, dass die Wähler ihn bei der Landtagswahl in zehn Tagen auf den Mond schießen werden, nein, er schießt sich freiwillig ins Weltall. Während diese Kolumne entsteht, ist er wahrscheinlich schon unterwegs. Irgendwo in der Södersphäre. Vielleicht beim Jupiter um die Ecke.

 Söder investiert 700 Millionen in ein Weltraumprogramm. Während andere Parteien wahlweise "die Ränder", "die Mitte", oder einfach nur den "ländlichen Raum" im Blick haben, nimmt der bayerische Ministerpräsident Kurs auf den Weltraum. Die Mission heißt Bavaria One. So. Und da soll man ihm keine Abschiedskolumne widmen? Denn spätestens jetzt steht fest, es wird Zeit von Markus Söder Abschied zu nehmen. Nicht weil man will. Sondern weil man muss. Weil man weiß, dass die Wähler ihm für seine Bemühungen nicht so danken werden, wie es sich eigentlich gehören würde.

Das ist deshalb so schade, weil man jetzt erst beginnt, ihn richtig lieb zu haben. Er wirkt verletzlich. Es war einem nie wirklich bewusst, wie sehr ihn die Vorstellung ängstigen könnte, dass die CSU demnächst mit den Grünen koalieren muss. Woanders im Land sind die Grünen einfach die Grünen. Aber von Bayern aus betrachtet wird die Floskel, dass im Land etwas "ins Kippen gerät", für Fälle wie diese angewendet. Wenn nämlich die Gefahr droht, sich die Staatskanzlei mit kiffenden Kommunisten teilen zu müssen. Oder noch schlimmer. Mit Frauen. Gott behüte, die wären dann überall. Vielleicht sogar auf der Männertoilette. Man hört ja neuerdings so viel aus Berlin. Franz Josef Strauß wuchtet sich vor Entsetzen wahrscheinlich gerade im Grab um die eigene Achse.

Mit Sicherheit gibt es Menschen in der CSU, die spätestens jetzt bedauern, nicht für ein lascheres Sterbehilfegesetz plädiert zu haben. Weil in Bayern Leute leben, die lieber tot wären, als dass sie zusehen möchten, wie aus ihrem Bundesland eine Niederlassung Nordkoreas wird. Söder aber gibt auf den letzten Metern nicht etwa auf, sondern kämpft: raus aus dem Bierzelt, rein ins Spaceshuttle! Die Grünen können sich gerne auf Sondierungsgespräche vorbereiten, ein Söder hört bei Sondierung allenfalls Sonde.

Was für Wichtel!

Ach, es bricht einem das Herz, ganz gleich auf welchem Planeten Söder in seiner Fantasie das erste Mal seinen Fuß aufsetzen wird: Es ist ein gewaltiger Schritt für Markus, aber ein kleiner Schritt für die Wahlergebnisse.

Die Geschichte der Raumfahrt sind Geschichten vom Hochschaukeln und leider auch mal Runterfallen, und so erspart man es sich, das bekannte Vokabular zu bemühen. "Schaulauf der Großen", "Hoffnung für die Menschheit" und so fort, weil es doch nur wieder fälschlicherweise hieße, man wolle Söders Mission ins Lächerliche ziehen. Nichts liegt einem ferner, im Gegenteil. Es geht ihm darum, das Leben der Menschen zu verbessern. Er veröffentlichte es ja selber. Es ginge um "Lösungen aus dem All". Schlimme Spötter warfen ihm vor, bei ihm wäre wohl Restpromille vom Oktoberfest im Spiel. Was für gehässige Wichtel. Selbst wenn. Gewöhnliche Astronauten suchen Leben auf dem Mars, Söder sucht auch in der Mass.

Bayern sei mit dieser Initiative, las man in einer seiner Twitter-Botschaften, Marktführer. Es werde nämlich in Hyperloop und Robotik investiert. Man erinnert sich vage an seine Zeit, als er bayerischer Heimatminister war. Da ging es ihm häufig um "schnelles Internet". Wie gestrig das in Aussicht auf Hyperloop und Robotik doch wirkt. Wer noch auf 7G im Kuhstall oder den Ausbau des Glasfasernetzes bis ins letzte Dirndl hofft, klingt wie ein Nostalgiker.

Das Visionäre, das werden Kleingeister nie begreifen, lebt davon, groß zu denken. Nur ein Visionär schützt seine bayerische Landesgrenze, obwohl bis auf drei österreichische Eichhörnchen und das Einwickelpapier einer Eistüte aus dem letzten Sommer noch nichts illegal übergetreten ist. Als Neil Armstrong das erste Mal den Mond betrat, wusste man auch noch nicht, wofür das gut war. Gut, man weiß es bis heute nicht. Aber weiß man, was passiert wäre, wenn er es nicht getan hätte? So funktioniert Hoffnung. Man ist im festen Glauben, dass sich etwas zum Guten wendet. Und Hoffnung, das ist das, wovon die CSU jetzt ganz viel braucht. Vielleicht kann Gott noch etwas nachhelfen. Immerhin hat Söder einen Sack voller Kreuze in jeder bayerischen Behörde an die Wand nageln lassen. Demnächst hängt das erste wohl auf dem Mars oder gar auf Beteigeuze.

So und jetzt adieu, lieber Markus. Danke für alles. Es war lustig und aufregend bis zum Schluss. Unvergesslich. Den Kumpeln im Bergwerk wünscht man zum Abschied Glückauf. Wie sagt man noch gleich zu Raumfahrern? Zisch ab, alter Sputnik.