Die deutsch-ungarische Schriftstellerin Terézia Mora wurde im Staatstheater Darmstadt mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Der Preis gilt als die wichtigste literarische Ehrung in Deutschland und ist mit 50.000 Euro dotiert. In ihrer Dankesrede kritisierte Mora eine Veränderung der Debattenkultur.

"Früher konnte ich sagen: Hetzerisches Reden findet in Deutschland wenigstens nicht auf Regierungsebene statt. Das kann ich so nicht mehr", sagte sie. Mora erinnerte auch an den ungarischen Schriftsteller Peter Esterházy (1950-2016), "gegen den, neben anderen als "linksliberal" verschrienen Künstlern und überhaupt gegen jede Form von Intellektualität, zur Zeit eine Kampagne in Ungarn läuft".

"Innere und äußere Fremdheit"

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung würdigte Moras "eminente Gegenwärtigkeit und lebendige Sprachkunst". In der Urkunde heißt es: "Schonungslos nimmt sie in ihren Romanen und Erzählungen die Verlorenheit von Großstadtnomaden und prekären Existenzen in den Blick und lotet die Abgründe innerer und äußerer Fremdheit aus."

Die bereits mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin und Übersetzerin wurde in Ungarn geboren und wuchs zweisprachig auf. Seit 1990 lebt sie in Berlin. Für ihren Roman "Das Ungeheuer" erhielt sie 2013 den Deutschen Buchpreis.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt vergibt den Büchner-Preis seit 1951 an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Zu den Preisträgern gehören Max Frisch (1958) und Günter Grass (1965) sowie zuletzt Jürgen Becker (2014), Rainald Goetz (2015), Marcel Beyer (2016) und im vergangenen Jahr der Lyriker Jan Wagner.