Der dänische Familientherapeut, Pädagoge und Bestsellerautor Jesper Juul ist tot. Das teilte das Elternberatungsprojekt Familylab über Twitter mit. Juuls Sohn habe sie über den Tod des bekannten Therapeuten in Kenntnis gesetzt, schrieben die Verantwortlichen der Organisation. 

Juul hatte Familylab im Jahr 2004 mitbegründet. Seit 2012 war der Autor erkrankt, er trat kaum mehr öffentlich auf. Er lebte im dänischen Odder an der Ostsee. Juul starb am Morgen des 25. Juli an einer Lungenentzündung. Er wurde 71 Jahre alt. 

Jesper Juul schrieb auch für mehrere deutsche Medien – unter anderem für ZEIT ONLINE. In der Themenbox finden Sie eine Auswahl seiner Ratschläge.

Juul kam 1948 in der dänischen Hafenstadt Vordingborg zur Welt. Er arbeitete als Schiffskoch, Tellerwäscher und Barkeeper, bevor ein Studium der Geschichte und der Religionspädagogik aufnahm. In Aarhus arbeitete er als Heimerzieher und später als Sozialarbeiter. In den Niederlanden und den USA bildete er sich zum Familientherapeuten weiter. 1979 gründete er zusammen mit dem dänischen Kinderpsychiater Mogens Lund und dessen Frau Lis Keiser das Kempler Institute of Scandinavia, das nach dem US-amerikanischen Familientherapeuten Walter Kemper benannt ist.

Juul schrieb zahlreiche Bücher über Kindererziehung, Partnerschaft und Familienzusammenhalt, darunter Dein kompetentes Kind, Liebende bleiben oder Nein aus Liebe. Klare Eltern – starke Kinder.

Als zentrales Thema von Juuls Arbeit benannte Mathias Voelchert, der Leiter der Organisation Familylab Deutschland, die sogenannte Gleichwürdigkeit: Unter diesem Begriff versteht man die gleiche Verteilung von Rechten in einer Gesellschaft, auch für Kinder oder insgesamt schwächer Gestellte. "Es ist die Pflicht der Starken, für die Schwachen zu sorgen und sie nicht auszubeuten oder schlecht zu behandeln", sagte Voelchert.