Saša Stanišić erhält den Deutschen Buchpreis. Das verkündete der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Vorabend der Frankfurter Buchmesse. Der Roman Herkunft gilt damit als das beste Buch des Jahres. Der Buchpreis ist eine der renommiertesten Auszeichnungen für Literatur in Deutschland. Er wird stets am Vorabend der Frankfurter Buchmesse verliehen und gilt als Garant für einen Verkaufserfolg. 2018 ging der Preis an Inger-Maria Mahlkes Roman Archipel.

In der Begründung der Jury hieß es: "Der Autor adelt die Leser mit seiner großen Phantasie und entlässt sie aus den Konventionen der Chronologie, des Realismus und der formalen Eindeutigkeit. (...) Mit viel Witz setzt er den Narrativen der Geschichtsklitterer seine eigenen Geschichten entgegen. Herkunft zeichnet das Bild einer Gegenwart, die sich immer wieder neu erzählt."

Der in Bosnien geborene Autor erzählt in seinem Roman die Geschichte seine Familie von der Flucht nach Deutschland während des Bosnienkriegs, dem Ankommen in der Fremde und über seine Großmutter, die langsam das Gedächtnis verliert. Dabei geht Stanišić der Frage nach, welche Rolle Herkunft überhaupt spielt. Schon 2014 wurde der Schriftsteller für sein Buch Vor dem Fest mit dem Preis der Leipziger Buchmesse gewürdigt. 

Preisträger kritisiert Nobelpreis für Peter Handke

In seiner Dankesrede kritisierte Stanišić die Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke vor einer Woche. Dieser hatte sich im Zusammenhang mit dem Balkankonflikt wiederholt auf die Seite der Serben gestellt. "Ich hatte das Glück, dem zu entkommen, was Peter Handke in seinen Texten nicht beschreibt", sagte er. "Dass ich hier heute vor Ihnen stehen darf, habe ich einer Wirklichkeit zu verdanken, die sich dieser Mensch nicht angeeignet hat", sagte Stanišić über Handke. Er könne nicht nachvollziehen, "dass man sich die Wirklichkeit, mit der man behauptet, Gerechtigkeit für jemanden zu suchen, so zurechtlegt, dass dort nur Lüge besteht". Stanišić war mit seinen Eltern 1992 nach Heidelberg geflüchtet, nachdem serbische Truppen im Zuge des jugoslawischen Bürgerkriegs seine Heimatstadt besetzt hatten.

Seit 2005 vergibt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Deutschen Buchpreis. Ausgezeichnet werden soll der deutschsprachige "Roman des Jahres". Die Verlage können bis zu zwei Titel einreichen. Sie müssen jeweils zwischen Oktober des Vorjahres und September erschienen sein. Sieben Jurorinnen und Juroren, die jährlich wechseln, sichten die Einsendungen und stimmen ab. Der Preis ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert. Die Siegerin oder der Sieger erhält 25.000 Euro, die übrigen fünf Autorinnen und Autoren der Shortlist jeweils 2.500 Euro.

Auf der diesjährigen Shortlist für den Buchpreis nominiert waren Raphaela Edelbauers Roman Das flüssige Land, Miku Sophie Kühmels Erzählung Kintsugi und Tonio Schachinger Debüt Nicht wie ihr. Ebenfalls auf der Shortlist standen Norbert Scheuers fiktive Tagebuchaufzeichnungen Winterbienen und Brüder von Jackie Thomae.