Monika Schoeller ist nach kurzer schwerer Krankheit am 17. Oktober 2019 in Filderstadt bei Stuttgart im Alter von 80 Jahren gestorben. Sie war Gesellschafterin der international tätigen Holtzbrinck Publishing Group, Verlegerin der S. Fischer Verlage in Frankfurt am Main und Gründerin der S. Fischer Stiftung in Berlin. 

Auf die Nachricht von Schoellers Tod reagierten viele mit Betroffenheit. "Ein entsetzlicher Verlust", schrieb die Publizistin Carolin Emcke auf Twitter. "Es gibt viele gute Verleger. Sie, die leise, war die beste", schrieb der Journalist Nils Minkmar. Schoellers Bruder, der Verleger Stefan von Holtzbrinck erklärte: "Meine Schwester war für neue Entwicklungen und Veränderungen immer aufgeschlossen und konnte dabei das Wesentliche von der Mode unterscheiden. Es ging ihr um das Detail, wenn es Grundsätzliches barg. Es ging ihr um Werte wie Stil, Anstand und Geduld, aber vor allem auch um diejenigen, die wir in der jüngsten deutschen Geschichte so bitter und mühevoll erlernen mussten und immer wieder aufs Neue erlernen müssen: Toleranz und Mitmenschlichkeit, den Willen zu Freiheit und Gerechtigkeit."

Die Tagebücher von Thomas Mann, die "Schwarze Reihe"

Monika Schoeller wurde am 15. September 1939 in Stuttgart geboren. Die Tochter des Verlegers Georg von Holtzbrinck studierte in München, Wien, Paris, London Sprachen und in Zürich Kunstgeschichte und Germanistik. Sie lernte das Verlagshandwerk unter anderem beim Verlag Artemis & Winkler. 1974 wurde sie Verlegerin des S. Fischer Verlags in Frankfurt am Main. Ende 2002 zog sich Monika Schoeller aus der operativen Arbeit zurück, blieb aber bis zu ihrem Tod Verlegerin und Mitglied der Geschäftsführung. Unter der Leitung von Monika Schoeller brachte der S. Fischer Verlag zahlreiche große Editionen heraus, spektakulär war zum Beispiel die Veröffentlichung der Tagebücher Thomas Manns ab 1977 oder die Große kommentierte Frankfurter Ausgabe (GKFA) der Werke Thomas Manns im Jahr 2002. Weitere Werkausgaben erschienen, so von Ilse Aichinger, Sigmund Freud, Carl Zuckmayer, Arthur Schnitzler, Alfred Kerr, Heinrich Mann, Franz Kafka und Hubert Fichte, außerdem initiierte sie 1977 die "Schwarze Reihe", die bislang umfangreichste Buchreihe zum Nationalsozialismus weltweit sowie die weitsichtigen Reihen "Die Frau in der Gesellschaft" und "Fischer Alternativ".

Gemeinsam mit Stefan von Holtzbrinck war sie Gesellschafterin der Holtzbrinck Publishing Group, zu der Verlagshäuser wie DIE ZEIT, Nature, Macmillan und neben Fischer auch die deutschen Verlage Rowohlt, Kiepenheuer & Witsch sowie Droemer Knaur gehören.

Die S. Fischer Stiftung wurde 2003 als private Stiftung von Monika Schoeller gegründet. Die Stiftung widmet sich dem kulturellen, insbesondere literarischen Austausch. So fördert die S. Fischer Stiftung seit 2003 Übersetzungen deutschsprachiger Gegenwartsliteratur in Russland, der Ukraine, Belarus, Ungarn, Polen und der Türkei. 2008 initiierte sie das europäische Netzwerk für Literatur und Bücher TRADUKI. 2012 begründete die S. Fischer Stiftung gemeinsam mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung "Debates on Europe".

Für ihr Engagement erhielt Monika Schoeller zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz, die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt und die Maecenas-Ehrung des Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute.