Gegen die für den Bayerischen Buchpreis nominierte Soziologin Cornelia Koppetsch sind Plagiatsvorwürfe erhoben worden. Der Verlag und die Autorin räumten in einer Stellungnahme bei NDR-Kultur ein, dass das Buch Textübernahmen enthalte, die als Zitate hätten gekennzeichnet werden müssen. "Vor wenigen Tagen habe ich aus einer vertrauenswürdigen Quelle erfahren, dass es Vorwürfe gibt hinsichtlich der korrekten Zitierweise in diesem Buch", sagte die Juryvorsitzende Sandra Kegel des Bayerischen Buchpreises. Die Jury stellte das Buch Die Gesellschaft des Zorns daraufhin zurück.

Auf Nachfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung räumte Koppetsch handwerkliche Fehler ein, bestand aber der Zeitung zufolge auf der Eigenständigkeit ihrer Arbeit. Nach Recherchen der Zeitung soll es 26 Stellen geben, die plagiatsverdächtig sind. Demnach gehe es vor allem um Übernahmen aus Die Gesellschaft der Singularitäten von Andreas Reckwitz sowie weiterer Werke des Autors, und Schriften von Slavoj Žižek, Zygmunt Bauman, Wendy Brown, Sighard Neckel.

Jurymitglied Knut Cordsen sagte: "Man stutzt, wenn Frau Koppetsch den Begriff Neogemeinschaften in ihrem Buch einführt, so als hätte sie ihn erfunden." Der Begriff stamme von Andreas Reckwitz, der 2017 den Bayerischen Buchpreis erhalten hatte. Koppetsch soll Cordsen zufolge ganze Satzperioden aus einem 2017 von Reckwitz veröffentlichten Aufsatz übernommen haben, ohne die Quelle anzugeben.

Koppetsch ist Professorin für Geschlechterverhältnisse, Bildung und Lebensführung an der Technischen Universität in Darmstadt. Preisträger des diesjährigen Bayerischen Buchpreises in der Kategorie Sachbuch wurde Jan-Werner Müller mit Furcht und Freiheit. Für einen anderen Liberalismus. Gewinner in der Belletristik ist David Wagner mit dem Roman Der vergessliche Riese. Beide Auszeichnungen sind mit einem Preisgeld von je 10.000 Euro dotiert.