Die Schriftstellerin Gudrun Pausewang ist tot. Die Autorin des Jugendbuchs Die Wolke wurde 91 Jahre alt. Sie starb in der Nähe von Bamberg, wie ihr Sohn mitteilte.

1928 wurde sie im böhmischen Dorf Mladkov (Wichstadtl) geboren, wuchs Pausewang in einer Familie überzeugter Nationalsozialisten auf. Zunächst war sie ein begeistertes Jungmädel. Erst nach dem Tod des Vaters und der Flucht der Familie nach Westdeutschland erkannte sie die Verbrechen des Regimes. 2011 sagte sie in einem Interview: "Ich glaubte an Hitler und seine Botschaft bis zuletzt. Erst Jahre nach dem Krieg begriff ich langsam, dass es nicht genügt, sich alle vier Jahre an der Wahlurne fragen zu lassen: Wie hätten Sie's denn politisch gerne?"

Nach der Flucht in den Westen machte Pausewang in Wiesbaden Abitur und wurde Lehrerin. Sie arbeitete unter anderem auch an deutschen Schulen in Südamerika und lebte dort mehrere Jahre in Chile, Venezuela und später in Kolumbien. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland 1972 ließ sie sich im osthessischen Schlitz nieder, wo sie mehr als 35 Jahre wohnte. Dort unterrichtete sie Grundschüler.

Krieg und Frieden, Umweltschutz und Dritte Welt

Ende der Fünfzigerjahre fing sie an, Bücher zu schreiben – nach eigenen Angaben mehr als 100, von denen knapp fünf Millionen Exemplare verkauft wurden. Zuletzt erschien von ihr 2016 So war es, als ich klein war: Erinnerungen an meine Kindheit. Für ihr schriftstellerisches Werk erhielt Pausewang mehrere Auszeichnungen, zuletzt 2017 den Deutschen Jugendliteraturpreis für ihr Lebenswerk.

Ihre frühen Texte richtete sie zunächst an Erwachsene, mit ihrem Roman Rio Amargo erreichte Pausewang aus dem Jahr 1959 gleich ein größeres Publikum. Dabei galt die sozial engagierte, in schnörkelloser Sprache gehaltene Literatur unter Kritikern als unterhaltsam, wurde jedoch auch als allzu konventionell abgelehnt.

Ab Mitte der Siebzigerjahre wandte sie sich der Kinder- und Jugendliteratur zu. Das Märchen Hinterm Haus der Wassermann bildete dabei den Auftakt für eine außergewöhnliche Erfolgsserie. Dabei setzte sie sich immer wieder für Frieden und Umweltschutz ein und brachte ihrem jungen Publikum neben den Problemen der Dritten Welt auch politische Zeitthemen nahe. 

Seit 20 Jahren Schullektüre

Zu einem Bestseller entwickelte sich neben Die letzten Kinder von Schewenborn (1983) das Buch Die Wolke aus dem Jahr 1987, das sich mit dem Reaktorunfall von Tschernobyl im April 1986 auseinandersetzt. Erzählt werden die Ereignisse eines fiktiven Störfalls in einem Kernkraftwerk bei Frankfurt am Main. Die Geschichte verkaufte sich millionenfach, wurde in 13 Sprachen übersetzt und entwickelte sich zum Kultbuch. 2006 kam die Verfilmung unter der Regie von Gregor Schnitzler in die Kinos.

Wegen der deutlichen Antiatomtendenz des Buches kam die Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises 1988 an Pausewang erst nach einigen Querelen und Interventionen seitens der Bundesregierung zu Stande. Die damalige Ministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit Rita Süssmuth verteidigte – in Abweichung vom offiziell verbreiteten Redetext – die Notwendigkeit einer engagierten Literatur auch für Jugendliche.

Die letzten Kinder von Schewenborn und Die Wolke sind seit mehr als 20 Jahren Schullektüre und haben vermutlich dazu beigetragen, die Anti-Atomstimmung im Land zu verstärken. Der Vorwurf, sie schüre bewusst Ängste, begleitete die Autorin deshalb jahrelang. Pausewang bleib indes bei ihrer Haltung und begründete sie mit ihrer eigenen Biografie. Als Bürger eines demokratischen Systems sei man mitverantwortlich für die Politik seines Landes und damit auch für das Wohlergehen seiner Mitbürger, hatte sie in dem Interview 2011 gesagt.