Mit Comics über Mädchen und Frauen wie Agrippina und Die Frustrierten wurde Claire Bretécher bekannt. Nun ist die beliebte französische Autorin und Zeichnerin mit 79 Jahren gestorben. "Ihr Humor und ihr freier Geist waren unermesslich", teilte ihr Verlag in Paris mit. "Ihren Lesern wird beides fehlen."

Bretécher galt als Pionierin der Comic-Kunst. Ihr Verlag würdigte sie als eine Zeichnerin, die es geschafft habe, einen bestimmten Stil und Ton in dem Genre durchzusetzen. Sie war auch in Deutschland bekannt, wo sie 2016 den Max-und-Moritz-Hauptpreis des Comic-Salons in Erlangen erhielt.

"Claire Bretécher hat unsere Gesellschaft verstanden, unsere Fehler und unsere Widersprüche", teilte der französische Kulturminister Franck Riester via Twitter mit. Der frühere Regierungssprecher Benjamin Griveaux nannte Bretécher ein "einzigartiges Talent". Sie habe ihre Epoche, die Frauen und ihre Freiheit beschrieben. "Ihre feinen und kühnen Sozialchroniken begleiten Generationen von Comic-Lesern", schrieb Griveaux. 

Bretécher war auch als Malerin tätig. Den Comics wandte sie sich zu, "um der Langeweile zu entrinnen", wie sie einmal selbst sagte. Besonders mit ihrer pubertierenden Heldin Agrippina wurde sie bekannt. In Deutschland erschienen die Bände erstmals 1988. Mit Knollennase und ständig schlechter Laune kämpften sich Agrippina und ihre Freundin Bergère durchs Leben und durch ihre erwachende weibliche Sexualität. Mit ihrem bösen Humor und ihrer Freizügigkeit beeinflusste Bretécher auch deutsche Cartoonisten und Comiczeichner wie Franziska Becker (Feminax und Walkürax) und Ralf König (Der bewegte Mann).  

Ihre ersten Zeichnungen veröffentlichte die am 17. April 1940 in Nantes geborene Bretécher ab den Siebzigerjahren. Sie wurden unter anderem in der Zeitschrift Le Nouvel Observateur abgedruckt. Insgesamt brachte sie rund 30 Comicalben heraus. "Ich spreche darin eigentlich immer von mir selbst", erklärte die Tochter aus bürgerlichem Hause. "Meine Figuren machen sich oft über meine eigenen Verirrungen lustig."