Die Autobiografie des US-Regisseurs Woody Allen ist in den USA erschienen. Angekündigt wurde die Veröffentlichung nicht. Der New Yorker Verlag Arcade Publishing hatte sich die Rechte an Allens Buch Apropos of Nothing gesichert. In einer Mitteilung schrieb der Verlag, das Werk sei eine "offene und umfassende persönliche Rechenschaftsablegung" von Allen.

Der Veröffentlichung gingen zahlreiche Proteste voraus. Über die Autobiografie des Kultregisseurs (Der Stadtneurotiker, Manhattan) wird seit Wochen gestritten. Hintergrund sind Vorwürfe seiner Adoptivtochter Dylan Farrow, er habe sie 1992 als damals Siebenjährige sexuell missbraucht.

Wegen der Proteste verzichtete der Verlag Hachette, bei dem Apropos of Nothing hatte ursprünglich erscheinen sollen, Anfang März auf die Veröffentlichung und gab die Rechte an dem Buch an Allen zurück. Zahlreiche Angestellte des Verlags hatten gegen das Projekt protestiert. Auch Allens Adoptivsohn Ronan Farrow drohte, nicht mehr mit Hachette zusammenzuarbeiten. Der Verlag hatte unter anderem Farrows Bestseller Catch and Kill veröffentlicht, der von der #MeToo-Bewegung und dem wegen Vergewaltigung verurteilten Ex-Produzenten Harvey Weinstein handelt.

Auch in Deutschland Streit um Memoiren

"In dieser komischen Zeit, wo die Wahrheit zu oft als Fake News abgetan wird, ziehen wir als Verleger es vor, einem respektierten Künstler eine Stimme zu geben, als vor denen, die ihm zum Schweigen bringen wollen, in die Knie zu gehen", sagte Lektorin Jeannette Seaver dem People-Magazin. 

Auch in Deutschland hatte es Proteste gegen die Veröffentlichung des Buchs gegeben. Der Rowohlt-Verlag, der wie auch DIE ZEIT und ZEIT ONLINE zur Holtzbrinck-Verlagsgruppe gehört, hatte sich aber entschieden, Allens Memoiren unter dem Titel Ganz nebenbei erscheinen zu lassen. Man wolle interessierten Leserinnen und Lesern die Möglichkeit geben, sich eine Meinung zu bilden, teilte der Verlag mit.

Dylan Farrows Vorwürfe gegen Allen waren in den Neunzigerjahren in zwei getrennten Verfahren untersucht wurden. Aufgrund mangelnder Beweise für die Schilderung seiner Adoptivtochter wurde der Filmemacher nicht angeklagt, verlor aber das Sorgerecht für seine Tochter. 2018 bekräftigte Farrow die Anschuldigungen gegen Allen. Ihr Bruder Ronan sowie ihre Mutter, die Schauspielerin Mia Farrow, unterstützten sie dabei. Allen hat die Vorwürfe seit 1992 stets zurückgewiesen.