ZEIT ONLINE: Herr Begemann, Pop gilt eher als Stigma des Kommerzes, denn als ein Ausdruck guter Musik. Können Sie trotzdem damit leben, Popmusiker zu sein?

Bernd Begemann: Natürlich. Für mich bedeutet Pop, etwas aus seiner Umgebung zu machen. Ein Flirren in der Luft, das konkret wird, ein Verlangen, aber gewiss kein Jammern, dass die Freundin nicht zurückruft. Deutsche können einfach keinen Pop…

ZEIT ONLINE: Sie schon.

Begemann: Ich suche nach dem emotionalen Kern, einem neuen Ausdruck und fühle mich damit sehr erfolgreich.

ZEIT ONLINE: Wie ist es denn so, seit 20 Jahren durch halbvolle Clubs tingeln?

Begemann: Moooment! Wenn ich in München spiele, und da kommen 250 Leute, empfinde ich das als einen sensationellen Erfolg. Also, ich bin definitiv glücklicher als George Michael. Ich singe und habe eine schöne Wohnung. Ich habe fast 300 Lieder veröffentlicht, bringe meinen 17. Tonträger raus, und keiner war wie der andere. Es gibt einige Typen, die in den Charts waren und jetzt Pizza ausfahren.

ZEIT ONLINE: Wollen Sie trotzdem in die Charts?

Begemann: Ja, das ist eines meiner rund sechzig Ziele. Von denen ich ungefähr vierzig erreicht habe… Naja, das Rennen ist noch lang.

ZEIT ONLINE: Viele halten Sie für den spaßigen Entertainer.

Begemann: Ist ja auch nichts Schlimmes. Leute kommen zu meinen Shows, weil sie irgendwo aufgeschnappt haben, dass das unterhaltsam werden könnte. Kein Problem: kommt, trinkt, feiert, freut euch. Der Witz ist aber, dass ich stets auch ein experimenteller Künstler war. Meine Innovationen liegen nur weniger im Klanglichen als darin, Dinge auszusprechen, die… nun, bis dahin noch niemand ausgesprochen hatte.