Die Besucher des Immergut-Festivals sind eigentlich höfliche Menschen. Wenn ihnen eine Band nicht gefällt, schmeißen sie nicht gleich mit Bierbechern oder Dreck, wie anderswo üblich. Nein, auf dem kleinen Festival in Neustrelitz stellen enttäuschte Fans bloß das Tanzen ein. So war es diesen Sommer, als Die Sterne erstmals ihre neuen Songs präsentierten. Hinterher wurde getuschelt: Was ist denn in diese Typen gefahren? Machen die jetzt Clubmusik?

Die Sterne haben sich verändert, das kann man sehen und hören. Sie sind nur noch zu dritt, der Keyboarder ist nach fast zehn Jahren ausgestiegen. Die neuen Songs kommen auch ohne Gitarre aus, dafür hat die Stimme von Sänger Frank Spilker jetzt Echohall.

Ein Lied für die Kamera: Die Sterne im ZEIT ONLINE Rekorder (Klicken Sie auf das Bild!) © ZEIT ONLINE

Soeben hat die Band aus Hamburg eine Maxi veröffentlicht, sie heißt Der Riss und hat bloß drei Stücke. Damit tourt die Band gerade durchs Land. Seit 17 Jahren gibt es Die Sterne inzwischen, sie gelten als eine der wichtigsten, auf jeden Fall einflussreichen deutschen Bands. Früher wurden sie für ihre geschliffenen Texte gefeiert, auf der neuen Platte heißt es plötzlich nur noch: "Deine Pläne stehen … Deine Pläne stehen … Deine Pläne stehen … Du solltest meine sehen!" Kann man sich nach so langer Zeit einfach neu erfinden, fragen sich die Kritiker.

Anruf bei Frank Spilker, dem Sänger. Er sitzt gerade im Auto, die Band fährt nach Köln, sechs Stunden bis zum nächsten Auftritt. "Klar können wir reden", sagt er. Er will sich nur kurz die Jacke ausziehen, es ist so heiß im Auto. Telefoninterviews mit Frank Spilker haben den Vorteil, dass man nicht ständig seinen Kopf in den Nacken werfen muss. Der Mann ist zwei Meter groß. "Es ist ja kein Neuanfang, keine Revolution", sagt er. "Doch es war Zeit für ästhetische Veränderungen." Sicher, die Fans müssten sich erst gewöhnen. "Aber sie sind neugierig, das zählt." Wenn sie zu Beginn eines neuen Songs noch stillstehen, am Ende schon mitwippen, dann sei das ein gutes Zeichen. Und die alten Ohrwürmer gibt’s weiterhin, von Universal Tellerwäscher bis Swinging Safari.