Daniel Hope ist ein Mann der Bindestriche: ein südafrikanisch-britischer Geiger mit verworrenen irisch-deutsch-kosmopolitischen Wurzeln und ein beliebter Talk-Show-Gast. Er hat viel zu erzählen und tut es sehr amüsant. Von seiner Mutter Eleanor, erst Sekretärin, dann Managerin von Yehudi Menuhin, der dem kleinen Daniel viel beigebracht hat. Von Rabbinern unter den Ahnen, enteigneten Villen in Berlin und vom Südafrika der Apartheid, das Hopes Eltern 1975, gleich nach Daniels Geburt, aus Protest verließen.

Im Buch Familienstücke forschte der Geiger der Familiengeschichte nach; es wurde trotz seines etwas umständlichen Stils zum Bestseller. Jetzt beschäftigt Hope sich in einem Buch mit dem Konzertalltag vor und hinter den Kulissen: Wann darf ich klatschen? will kein Knigge sein, sondern Appetit machen auf Konzerte und die Angst nehmen vor den vielen Regeln, die einst geschaffen wurden, um ein elitäres Publikum vom Plebs abzugrenzen. Ihm zur Seite stand als Koautor Wolfgang Knauer, der langjährige Chef von NDR Kultur und Vater des Pianisten Sebastian Knauer, der Daniel Hope durch mehrere Konzertprogramme begleitete.

Auch Hopes neue CD ist von einiger Leichtigkeit geprägt, will die Eintrittsschwelle zu einer oft als spröde empfundenen Musikepoche senken: zum Barock. Für das Cover von Air. A Baroque Journey ließ sich der Violinist selbstironisch auf einer Klappleiter ablichten, den Geigenkasten in der Hand, vor wolkig gemaltem Hintergrund. Auf dem Buchtitel steht er vor dem gleichen Wölkchenhimmel, nur ohne Leiter.

Air begibt sich auf die Spuren vier wenig bekannter Komponisten des 17. und 18. Jahrhunderts, Andrea Falconieri, Nicola Matteis, Johann Paul von Westhoff und Francesco Geminiani. Dazu kommt Musik, die diese vier beeinflusste, von eher volkstümlichen Werken bis zu Großkomponisten wie Pachelbel, Telemann, Händel und Bach, dessen wundervolle Air das Album beendet.

Wer bei Barockmusik zuerst an Bach denkt, an das Erstrahlen des Erhabenen aus dem Geist der Mathematik, der wird schwer schlucken an diesen Aufnahmen. Mit Schrammelgitarre, Trommel und Tamburin beginnt das Album und verdeutlicht so, dass die höfischen Canones, Gigues und Gagliardes allesamt der Tanzmusik entstammen, dem Humus, auf dem die musikalischen Höhepunkte der Zeit gediehen.

Für das Booklet durfte Roger Willemsen dem Geiger kluge Fragen stellen, und Hope sagt Dinge wie diese: "Viele der reisenden Musiker haben die Musik als tägliches Brot gesehen, als Gelderwerb. Sie wurden nicht angehimmelt wie später Mozart und Beethoven, sondern sie sahen sich als Dienstleister für König und Adel, vor allem mit ihrer Tanzmusik."

Nach der großen europäischen Katastrophe, dem Dreißigjährigen Krieg, seinen Verheerungen und Seuchen, gerät im 17. Jahrhundert vieles in Bewegung. Hope sagt: "Der Umbruch fasziniert mich, man fühlt den Aufbruch aus der Renaissance-Zeit. Plötzlich treten Einzelpersonen hervor, Wandermusiker zum Beispiel, die durch Europa ziehen und ganz andere Musik mitbringen, wie Matteis. Es war eine Zeit der Bewegung. Diese Musik hat Vielfalt, Esprit, Vitalität, und vieles wurde durchaus auf den Effekt zugeschrieben. Man wollte gefallen, wollte wieder beauftragt werden".