ZEIT ONLINE: Herr Rollins, am 13. Februar sind Sie 49 Jahre alt geworden. Denken Sie über Ihr Alter nach?

Henry Rollins:
Ja, ständig. Sagen wir ruhig, ich bin 50. Mir bleiben also noch zehn Jahre, in denen ich physisch in der Lage sein werde, an Orte zu reisen und dort mit der nötigen Intensität Interviews, Dokumentationen und Bilder zu machen. Aber genau dieses Wissen lässt mich jeden Morgen aufstehen und furchtlos die Sachen angehen. Seit ich 25 bin, geht das schon so.

ZEIT ONLINE:  Was treibt Sie im Leben an?

Rollins: Die 3,50-Dollar-pro-Stunde-Mentalität. Nach der Highschool habe ich in einer Tierhandlung, in einem Surf-Shop und im Kino gearbeitet. Ich verkaufte Eiscreme und war Parkplatzwächter. Dahin will ich nicht zurück, und deshalb probiere ich so viel aus. Für die meisten Sachen bin ich zwar nicht ausgebildet, aber ich strenge mich umso mehr an. Wenn ich meinen Fleiß benoten sollte, würde ich eine Eins verdienen.

ZEIT ONLINE: Ihren starken Willen erkennt man besonders, wenn Sie vor Publikum auftreten. Warum wollten Sie vor 30 Jahren überhaupt auf die Bühne?

Rollins: Was mich dorthin brachte, war ein beständiger Zorn und das Gefühl der Missachtung. Wenn man mir mit Hass gegenübertrat, kitzelte es mich umso mehr.

ZEIT ONLINE: Sie sind früher bei Konzerten immer wieder mit Flaschen beworfen worden. Hat Sie das dann vielleicht gar nicht gestört?

Rollins: Das war okay, auch wenn ich den Song nicht geschrieben hatte, sondern der Gitarrist. Unsere Antwort darauf waren eben zwei Stücke mehr als Zugabe.