Der Deutsche ist brav und konservativ. Soweit das Klischee, das den einen oder anderen ärgern mag. Die Musikindustrie hingegen freut sich, es in seinen neuesten Marktanalysen bestätigen zu können. Hierzulande werden noch ordentlich CDs gekauft, es gibt so viele legale Download-Plattformen wie nirgends auf der Welt, auch der Online-Nutzer schätzt das Albumformat, und die Klassikbranche gilt als Krisengewinner.

Allzu schlecht ist es im vergangenen Jahr nicht gelaufen. Der Umsatz aus Musikverkäufen ist nur um 3,3 Prozent zurückgegangen. Es hätte schlimmer kommen können, schaut man auf unsere Nachbarn England (minus 23 Prozent) und Frankreich (minus 9 Prozent).

Auf der Jahrespressekonferenz zeigen sich die Branchenvertreter demnach optimistisch. Eine Musikmarktprognose der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) sieht vorher, dass bis 2013 der Markt im Download- und Mobiltelefonbereich auf das Doppelte wachsen wird. Sogenannte "neue Geschäftsfelder" wie Merchandising, Konzerte oder Videomitschnitte könnten dreimal so groß werden, und die gute alte CD nähme dann lediglich ein Drittel des Gesamtmusikmarkts ein.

Noch ist sie der Branche eine starke Stütze: Heute stammen 80 Prozent der Musikumsätze aus dem Verkauf physischer Tonträger. Aber bis 2013 ist es noch lange hin. Vielleicht, so hofft der Bundesverband der Musikindustrie (BVMI), geht es auch schon im nächsten Jahr steil bergauf. In Deutschland konnten mit Downloads 2009 jedenfalls schon 118 Millionen Euro verdient werden, das ist ein Drittel mehr als im Vorjahr.

Die Zukunft des digitalen Marktes sähe noch rosiger aus, gäbe es keine Musikpiraten. "Wären nur 10 bis 15 Prozent der illegal heruntergeladenen oder kopierten Musik gekauft worden, wären das etwa 500 Millionen Euro Umsatz", sagt Dieter Gorny, der Vorsitzende des BVMI. Und um die politische Bedeutung der Kulturindustrie in Deutschland zu betonen: "Oder rund 100 Millionen Euro Mehrwertsteuer für den Staat".

Seiner Meinung nach müsse die Debatte um Urheberrechtsverletzungen im Internet, um illegale Downloads endlich in ein Gesetz münden, dass das Netzleben regelt wie den Straßenverkehr. Den braven Käufern stehen hierzulande 4,5 Millionen Tauschbörsianer gegenüber, die sich Musik, Filme oder Videospiele unentgeltlich aus dem Netz ziehen. Solange das Gerede von der Wirtschaftskrise nicht verstumme, sei es fatal, das illegale Herunterladen als technical behaviour einer jüngeren Generation im digitalen Raum abzutun, sagt Gorny.