Wenn Lorin Maazel in zwei Jahren – zur Konzertsaison 2012/13 – seinen neuen Job als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker antritt, ist das auch eine Rückkehr. Fast zehn Jahre lang leitete der heute 80-Jährige, der als teuerster Dirigent der Welt gilt, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Als das Prinzregententheater in München 1996 mit Tristan und Isolde wiedereröffnet wurde, stand Maazel am Dirigentenpult.

Auf seine neue Aufgabe in München freue er sich, sagte der Stardirigent, nachdem der Stadtrat sich am Mittwoch einstimmig für seine Berufung ausgesprochen hatte. "Die Qualität des Orchesters ist unübertrefflich."

Dabei ist München nur eine Station unter vielen in der herausragenden, über 50-jährigen Karriere des Dirigenten, Komponisten und Geigers: Maazel war künstlerischer Direktor der Deutschen Oper Berlin (1965 bis 1971), Wiener Staatsoperndirektor (1982 bis 1984) und Musikdirektor der New Yorker Philharmoniker (2002 bis 2009), um nur einige seiner Einsatzorte zu nennen. Derzeit ist er Musikdirektor in Valencia.

Maazel war ein Wunderkind. Schon mit fünf Jahren bekam er Geigenunterricht, im Alter von neun Jahren dirigierte er, nach zwei Jahren Unterricht bei Wladimir Bakaleinikoff, dem stellvertretenden Leiter des Los Angeles Philharmonie Orchesters, bei der New Yorker Weltausstellung zum ersten Mal ein großes Orchester. Mit zwölf Jahren ging er auf US-Tournee, als 15-Jähriger gab er sein Debüt als Violinist.

Als Dirigent schrieb Maazel Musikgeschichte: 1960 war er der erste Amerikaner, der auf dem Grünen Hügel in Bayreuth ans Pult treten durfte. 2008 trat er mit den New Yorker Philharmonikern – als erstem Spitzenorchester aus dem Westen – im abgeschotteten Nordkorea auf. Er gab in der Hauptstadt Pjöngjang ein Konzert mit Dvoraks Aus der neuen Welt.

"Die Wahl des weltweit geschätzten Dirigenten bedeutet für das Orchester, sich auch in Zukunft national und international auf allerhöchstem Niveau präsentieren zu können", ließ der Orchestervorstand der Münchner Philharmoniker, die derzeit in Japan auf Tournee sind, am Mittwoch mitteilen.

Auch im fortgeschrittenen Alter steckt Maazel, der in dritter Ehe mit der knapp 30 Jahre jüngeren deutschen Schauspielerin Dietlinde Turban verheiratet ist, noch voller Tatendrang. Seinen 80. Geburtstag am 6. März feierte der in Frankreich geborene Sohn amerikanisch-jüdischer Eltern selbstverständlich im Konzertsaal: An seinem Ehrentag dirigierte er die Wiener Philharmoniker.

"Ich denke, ich könnte vielleicht mit 95 frühzeitig in Pension gehen. Vermutlich ändere ich meine Meinung aber, wenn ich das Alter erreicht habe", scherzte der Musiker, der auf gute Gene hoffen kann: Seit Vater starb erst im vergangenen Jahr – im stolzen Alter von 106 Jahren. Maazels Vertrag bei den Münchner Philharmonikern soll drei Jahre laufen.