Die britische Band Pink Floyd verbietet ihrer Plattenfirma EMI, die Songs ihrer Alben als Einzel-Downloads oder Klingeltöne zu vertreiben. Ein Londoner Gericht hat völlig zu Recht den künstlerischen Wert eines Albums über wirtschaftliche Interessen gestellt.

Ein Thema mit Debattenpotenzial: Lesen Sie Tina Klopps Contra zu Pink Floyd! © Screenshot: ZEIT ONLINE

In einer Zeit, in der die Zukunft der Musikindustrie mangels anderer Perspektiven vorerst von Download-Verkäufen abhängt, ist das Urteil allerdings starker Tobak für die Plattenfirmen. Denn gerade die Einnahmen aus dem sogenannten Back-Katalog, also den alten Archivplatten, sind eine wichtige finanzielle Stütze. Was, wenn nun alle alten Musikhippies ankämen und sich den marktwirtschaftlichen Notwendigkeiten entgegenstellten? Sollen diese weltfremden Altrocker doch das Geschäft denjenigen überlassen, die wissen, in welcher Form mit ihrem Kram heute überhaupt noch Geld zu verdienen ist.

So mag man bei EMI denken. Dass dieser Konzern in den vergangenen Jahren oftmals anders dachte als die Künstler, die er vertritt, hat schon viele vergrault – die Rolling Stones und Radiohead sind nur zwei prominente Beispiele.

Jetzt also auch Pink Floyd. Damit endet eine mehr als vierzigjährige Verbindung. Die Meister des Psychedelic Rock waren nach den Beatles die erfolgreichste Band des Unternehmens. In den Siebzigern schrieben sie Musikgeschichte mit den Konzeptalben Dark Side Of The Moon (1973) und The Wall  (1979) – Werke, die vor allem als formelle Einheiten zu verstehen sind.

Verständlich, dass EMI sich über das Urteil und die Trennung ärgert, hat sie doch im vergangenen Jahr fast zwei Milliarden Euro Verlust gemacht und fürchtet nun noch Schlimmeres. Die Mitglieder von Pink Floyd hingegen sind dank ihres künstlerischen Konzepts über die Jahrzehnte zu Multimillionären geworden. Ihre Werke hatten ihre Zeit und behalten ihren Wert.

Pink Floyd ist eine Band aus einer anderen Ära. Damals war noch nicht daran zu denken, dass Songs, die sie in einen semantischen Zusammenhang gestellt hatten, irgendwann aus diesem herausgelöst werden würden. Im Jahr 1999 hatten EMI und die Band ihren Vertrag noch einmal erneuert. Der bezog sich allein auf den Verkauf von physischen Tonträgern und enthielt kein Wort von einzelnen Songdownloads, denn dafür gab es noch gar keinen Markt.

Vielleicht ist es unzeitgemäß, wie sich die Band nun den neuen technischen Möglichkeiten verschließt, haben wir es doch täglich mit progressiven Formen des Sampling oder Mash-up zu tun. Ohne Zweifel: Im Spannungsfeld von Dekonstruktion und Rekonstruktion entsteht interessante Kunst.

Die Frage ist aber nicht, ob Pink Floyd sich mit ihrer Klage als anachronistisch outen. Viel wichtiger ist der Respekt vor künstlerischer Integrität. Die Diskussion dreht sich um Werke, die zu einer anderen Zeit unter anderen Umständen geschaffen wurden. Und es ist nur richtig, wenn die Urheber dieser Werke bestimmen, in welchen Kontexten ihre Schöpfungen erscheinen und inwiefern ursprüngliche Kontexte aufgelöst werden dürfen, ohne das Werk in seiner Gesamtanlage und Intention zu beschädigen. Was in der Malerei, Literatur oder Architektur selbstverständlich ist, muss auch für das Unterhaltungsgut Musik gelten.