" It's about control ", sagt Lars Ulrich, der Schlagzeuger von Metallica. Es geht um Kontrolle. Der Rapper Chuck D setzt dagegen: " The power goes back to the people! " Frei übersetzt: Das ist Demokratie! Die Diskussion dreht sich um Metallicas Klage gegen Napster, das erste große Filesharing-Werkzeug. Zehn Jahre ist das her, Napster spielt längst keine Rolle mehr.

Zehn Jahre! Erst? Schon? Obwohl der Konflikt um Urheberrechte technologisch, juristisch und politisch längst auf einer ganz anderen Ebene ausgetragen wird, haben sich die Positionen kaum verändert. Auf der einen Seite stehen jene, die das Internet vor allem für einen Einkaufsladen halten, auf der anderen jene, die sich vom Netz die radikale Demokratisierung der Gesellschaft erhoffen.

Wie tief greifend der Konflikt ist, wird vor allem dann deutlich, wenn man von dem mit harten Bandagen geführten Kampf um das Tauschen von Programmen, Musik- und Filmdateien absieht und sich mit dem höchst umstrittenen Begriff des geistigen Eigentums befasst.

Die oben angesprochene Szene mit Lars Ulrich stammt aus dem Dokumentationsfilm RIP! A Remix Manifesto . Der kanadische Regisseur Brett Gaylor zeichnet darin die Auseinandersetzungen um Autorenschaft im Netz am Beispiel des amerikanischen Mash-Up -Künstlers Girl Talk nach. Girl Talk zerschnipselt die Lieder anderer und setzt sie zu seinen eigenen neu zusammen.

Aber sind es seine eigenen? Ist Girl Talk ein Autor? Komponiert er? Oder kombiniert er nur? Oder ist das etwa das gleiche? Brett Gaylor argumentiert: Einerseits speise sich Kultur aus der Vergangenheit – eine direkte Linie etwa verlaufe von den Gesängen der Baumwollpflücker über Muddy Waters zu Led Zeppelin. Was heute als geistiges Eigentum gelte, sei früher als Kultur wahrgenommen worden.

Andererseits sei das Teilen die Grundidee des Netzes. Sharing hieße die kulturelle Praxis einer ganzen Generation. " People download the world's culture and transform it into something different ", sagt Gaylor, eine neue Sprache sei entstanden, er nennt sie Remix. Es gehe heute viel mehr um den kreativen Prozess als um das Produkt. Und selbstverständlich sei Girl Talk Autor seiner eigenen Lieder.

Brett Gaylor hat beobachtet, wie sich Kulturproduktion und Urheberrechte zueinander verhalten. Daraus leitet er sein Remix Manifesto ab. Kultur baue auf der Vergangenheit auf, steht darin. Die Vergangenheit (in Gestalt der rechtehaltenden Konzerne) versuche, die Zukunft zu kontrollieren (und Altes immer wieder neu zu verkaufen). Das behindere die Menschen in ihrer Freiheit. Eine freie Kulturproduktion und eine freie Gesellschaft seien also nur möglich, wenn die Kontrolle über die Vergangenheit eingeschränkt würde.

Remix-Originale zu schaffen, war noch nie so einfach. Das Prinzip des Peer-to-Peer, also der dezentrale Austausch von Daten, habe eine riesige Bibliothek erschaffen, argumentiert auch der Jurist Lawrence Lessig . Die technischen Vorraussetzungen zum Kopieren und Remixen seien heute besser denn je, mit einem einfachen PC könne man perfekte Produktionen herstellen, sich ausdrücken. Die Industrie habe mittlerweile erkannt, dass sie die Technologie nicht zurückdrängen könne – so kriminalisiere sie die Nutzer. Girl Talk findet er " totally illegal! " – also fantastisch.

Das Hauptübel in diesem sinnlosen Kampf sieht Lawrence Lessig im Digital Millennium Copyright Act , 1998 in den USA eingeführt, und ähnlichen Gesetzen etwa in der Europäischen Union. Solche Gesetze kriminalisierten die kulturelle Praxis einer ganzen Generation. Das Urheberrecht sei heute so gestrickt, dass ein geschütztes Werk erst 70 Jahre nach dem Tod des Autors in die Gemeinfreiheit übergehe. Selbst die Rechte für Happy Birthday gehören heute noch dem Konzern Warner/Chappell, obwohl die Autorin Patty Smith Hill bereits vor 64 Jahren starb.