So auch dieses Konzert. Clapton & Winwood durchreiten einen Parcours klassischer Stücke, die Volkes Stimme, unser Nachbar, der Liebsten annonciert: die Blind Faith-Hymnen Well All Right, Presence Of The Lord, Can´t Find My Way Home , Claptons rastlosen Blues Key To The Highway, Layla als gepflegten Shuffle sitzend dargeboten auf Akustik-Klampfen. "Anschnallen!", kommandiert der Nachbar, "jetzt kommt Gimme Some Lovin´ ! Danach gibt´s uff de Ohren, Voodoo Chile , Gitarrengewitter, Jimi lässt grüßen!" "Schatz", spricht Nachbars Gebräunte. "O Schatz, du kennst wohl alles?" "Logo", sagt Schatz. "Ick hab die janze Playliste im Kopp! Pass uff, dann kommt Cocaine ."

So geschieht es. Ein schöner Abend: vertraute Gefühle, gesetzte Atmosphäre in bestuhlter Riesenhalle. Intakte Stimmen, delikate Gitarren, wohltemperierte Schweineorgel. Clapton & Winwood bieten verlässliches Behagen – wie gutes Essen, Tschechow im Deutschen Theater, ein Wochenende auf Hiddensee. Zum Schluss, nach zwei Stunden, dankt Clapton knapp; die Band wird nicht vorgestellt. Eine Zugabe: Traffics Dear Mr. Fantasy .

Jawohl, ein schöner Abend. Und doch …Was störte? Der Nachbar-Proll? Die Monsterhalle, atmosphärisch ein Geschwisterkind des Berliner Hauptbahnhofs? Das allzu Gediegene der Kunst? Vielleicht am ehesten die Altersgenossenschaft, diese erschlagende Menge von Frühsenioren. Und doch war viel Wärme im Saal, und Dankbarkeit. Noch stehen altvordere Helden wie Clapton und Winwood Schildwacht vor unserer Generation, fast wie es die Eltern taten oder tun, oder Marcel Reich-Ranicki, Richard von Weizsäcker und Helmut Schmidt. Was ist in zehn Jahren? Mit Clapton & Winwood? Mit uns?
Demnächst kommt John Mayall. Der ist zwölf Jahre älter als Clapton.