Eine Woche nach ihrem 80. Geburtstag ist die amerikanische Jazzsängerin Abbey Lincoln gestorben. Lincoln hieß eigentlich Anna Marie Wooldridge. Im Jahr 1956 erschien ihr erstes Album Affair ... a Story of a Girl in Love, mit dem ihre Entwicklung von einer Barsängerin zu einem politisch engagierten Jazzstar begann.

In den sechziger Jahren setzte sich die schwarze Künstlerin für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung ein. Zu der Zeit spielte sie auch in Filmen mit, bevor sie sich in den Siebzigern wieder dem Jazz widmete. Auch als Songwriterin gelangte sie zu einiger Bekanntheit. Ihr Einfluss auf andere Jazzkünstler war groß. "Ich habe von ihr gelernt, neue Wege zu gehen", sagte die Sängerin Cassandra Wilson .

In ihrem Kampf um Anerkennung und Selbstfindung als schwarze Frau in der amerikanischen Gesellschaft orientierte sich Abbey Lincoln an Billie Holiday und Bessie Smith. Ihre Aufnahmen seit Ende der fünfziger Jahre kann man als musikalischen Ausdruck dieses Kampfes hören. Sie war kompromisslos wie die Musiker, mit denen sie arbeitete – ihr langjähriger Lebenspartner Max Roach und auch Eric Dolphy, Coleman Hawkins, Sonny Rollins, Stan Getz, die großen Individualisten.

Lincoln wurde als zehntes von zwölf Kindern in Chicago geboren, wuchs aber auf dem Land auf. In Honolulu auf Hawaii sang sie in Nachtclubs und lernte dort Louis Armstrong kennen, der zeitlebens ihr Vorbild bleiben sollte. Mit dem Künstlernamen Lincoln – zu Ehren des 1865 ermordeten US-Präsidenten – machte sie in der Jazzszene Karriere. Ihr letztes Album erschien vor drei Jahren, auf Abbey Sings Abbey interpretierte sie ihre eigenen großen Lieder.

Lincoln starb nach Angaben der New York Times am Samstag in Manhattan, wo sie die letzten Jahrzehnte gelebt hatte.