ZEIT ONLINE: Miss Monáe, es herrscht große Aufregung um Sie herum, seit Ihr Album The ArchAndroid veröffentlicht ist. Was wollen die Leute von Ihnen?

Janelle Monáe: Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich hoffe, sie mögen mich, weil ich ihnen etwas gebe, woran sie glauben können, das sie motiviert. Meine Musik soll ihre Droge sein, wenn sie deprimiert oder unter Druck sind.

ZEIT ONLINE: Warum glaubt Ihre Plattenfirma an Sie?

Monáe: Meine Kollegen Chuck Lighning, Nate Wonder und ich brachten unsere eigenen Ideen mit in die Partnerschaft. Das hat die Plattenfirma beeindruckt und erspart ihr viel Arbeit: Ich mache die Kunst, und das Label vermarktet sie. Es ist ein großes Geschenk, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die wirklich an uns glauben und nicht nur dabei sind, um mich über Nacht zu einem Superstar zu machen, dessen Karriere nach einem Jahr beendet ist.

ZEIT ONLINE: Dennoch ging in den vergangenen Monaten alles ganz schnell. Sie selbst haben die Grenze zwischen Kunst und Marketing überschritten, als sie in einem Werbespot für Coca Cola mitspielten.

Monáe: Wer verbietet das? Ich mache meine eigenen Regeln. In meiner Musik geht es darum, Dinge miteinander zu verbinden. In diesem Spot durfte ich mich selbst darstellen und meine Gabe mit anderen teilen.

ZEIT ONLINE: Wie wichtig ist Ihnen künstlerische Glaubwürdigkeit?

Monáe: Ich möchte Qualität schaffen. Man darf nie vergessen, wie schlau der Konsument ist. Die Leute sollen mich als glaubwürdige Künstlerin sehen und nicht als jemanden, der sie mit substanzlosem Zeug füttert.

ZEIT ONLINE: Die Medien loben Ihren geschmackvollen Kleidungsstil. Haben Sie sich da von Outkasts Benjamin André inspirieren lassen?

Monáe: Outkast sind mir ein musikalisches Vorbild, und Benjamin 3000 ist ein guter Freund von mir. Aber ich habe keine Zeit, seinen Kleidungsstil zu studieren.

ZEIT ONLINE: Spätestens seit Ihrem Auftritt im Coca-Cola-Spot wittert das Publikum den nächsten Superstar. Lösen Sie Lady Gaga ab?

Monáe: Ich setze mich nicht unter Druck, besser als andere zu sein. Lady Gaga macht einen tollen Job – ich konzentriere mich auf Janelle Monáe. Wir müssen nicht dieselben Koordinaten ansteuern, um zum selben Ziel zu gelangen. Es ist wichtig, verschiedene Richtungen aufzuzeigen, aus denen weibliche Stimmen sprechen können. Besonders als Afroamerikanerin möchte ich jungen Mädchen, die aussehen wie ich, Türen öffnen.

ZEIT ONLINE: Wie begann ihre musikalische Karriere?

Monáe: Ich habe eine Musik- und Schauspielschule besucht, habe Theaterstücke geschrieben, mit zwölf mein erstes Musical. Die Musik hat mich schon sehr früh gefunden.

ZEIT ONLINE: Viele denken, The ArchAndroid sei Ihr Debütalbum. Dabei kam schon 2003 die Platte The Audition heraus. Ihr Erfolg ist also keine Überraschung, sondern basiert auf Hartnäckigkeit.