Man könnte ja zum Beispiel wieder Heavy Metal hören. Dieser Musik wird oft Unrecht angetan. In der kritischen Berichterstattung erfährt das Genre kaum Würdigung. Versuche scheitern häufig schon am Rezensentenohr, dem das Gebotene viel zu schnell und vor allem viel zu laut ist. Seit Jahrzehnten ist Heavy Metal zum Dasein im Reservat gezwungen, in das meist bloß ein paar Fachorgane noch Einlass verlangen.

Dabei gäbe es viele gute Gründe. Nicht bloß jedes Jahr zum Tag der offenen Tür im holsteinischen Wacken , von wo aus die Presse staunend erzählt, dass es so schlimm gar nicht ist zwischen all den Langhaarigen, sondern sogar ziemlich nett. Die Musik, heißt es dann aber, schwelge im Vergangenen, sei putzig in ihrer Theatralik – die umso peinlicher werde, bedenkt man das Problem des Genres beziehungsweise den Mittvierziger, der mit Veteranenstolz sein "Manowar Tour 1984"-Hemd über den Acker trägt. Metal, so lautet ein oft gehörter Vorwurf, sei in die Jahre gekommen. Fast tot.

Aber nun liegt zum Beispiel diese Platte vor.

Auf dem Cover schwebt ein Raumschiff vor einem verkraterten Planeten: Warp Riders der Band The Sword aus dem texanischen Austin, das sonst für seine vitale Indie-Rockszene bewundert wird. Im Jahr 2003 gründeten vier Musiker ihr Projekt, Anfang zwanzig, zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, Koteletten und Backenbärte. Bekannt wurden sie auf einem Umweg: Sie spendeten ein Lied an Guitar Hero , das Videospiel, bei dem man zu Rocksongs auf einer Plastikgitarre herumdrückt. Bald reichte man sich mit entzücktem Raunen die ersten beiden Alben weiter: Age of Winter und Gods of the Earth – bis Metallica sie im vergangenen Jahr mit auf ihre Welttournee nahmen. The Sword, ein griffiger Name ist das.

Ihre dritte Platte ist nun ein Konzeptalbum. Zehn Lieder erzählen von einem Weltraumreisenden in einem weitfernen Sternensystem, das um drei Sonnen kreist, die alle... ja, ja, schon gut. Dann kommt dieser Anfang, ein Dauerdräuen, ein Effektgerätnebel bis zu den ersten Akkorden, dieses Tosen, dieser Wutausbruch, diese grellen Stöße: Was schert uns da noch diese Galaxie!

The Sword spielen Heavy Metal, wie man ihn lange nicht gehört hat und wie er doch duster im kollektiven Bewusstsein des Rockpublikums liegt. Sie beerben einen Gestus, der zuletzt in den siebziger und achtziger Jahren aufblitzte, als sich vor Bands wie Black Sabbath und Led Zeppelin die Nachbarn in Deckung warfen. Als später Iron Maiden ihren verschraubten, hochtönenden Hardrock von England aus in die Stadien trugen. Und als noch etwas später Metallica krächzend durch Amerika bretterten, ohne Stylisten und Streichorchester. Retro wäre ein Wort dafür. Aber es griffe zu kurz: In einem Genre, dessen Stile sich im Lauf der Jahrzehnte mithin symbolisch wie musikalisch radikalisiert haben, wirken The Swords Anachronismen verblüffend frisch.

Zehn Lieder also. 48 Minuten. Knorrig produziert. Jeder Ton darf klingen. Das hineinbrausende Superheldengitarrensolo ebenso wie der Schwiemelblues, der unvermittelt hinterdrein kommt. Selbst in den wuchtigsten Passagen verpasst man keinen Anschlag. Und sogar ein verzotteltes ZZ-Top-Riff klingt unter den Fingern der zwei Gitarristen J.D. Cronise und Kyle Shutt frisch rasiert und ausgehfein – wer hätte so was hier erwartet! Rein konzeptionell könnte man Warp Riders als etwas überkandidelte Weltraumoperette bezeichnen, das Layout, die Texte, der Astronautenkitsch und diese Science-Fiction-Mystik. Ein bisschen Moonraker , ein bisschen auch Kampfstern Galactica . So waren sie auch, die Siebziger.