ZEIT ONLINE: Herr Hope, In Axel Brüggemanns Jugendbuch Wie Krach zu Musik wird. Die etwas andere Musikgeschichte beschreiben Sie sehr einfühlsam Ihr Instrument. Was fasziniert Sie an der Geige?

Daniel Hope: Der singende Klang, der einer menschlichen Stimme sehr nahe kommt. Er kann mich beruhigen und im nächsten Moment aufrütteln. Als Musiker kann ich mit der Geige genau das ausdrücken, was ich fühle. Die Vielfalt und die Brillanz des Klangs haben mich immer fasziniert.

ZEIT ONLINE: Als Sie ihr erstes Instrument bekamen, waren Sie wahrscheinlich nicht mehr zu bremsen.

Hope: Mein Enthusiasmus war riesig, allerdings muss es am Anfang grauenvoll geklungen haben. Bis man einen Ton richtig spielen kann, vergehen oft Monate. Zu meinem ersten Unterricht fällt mir eine kleine Anekdote ein. Die Lehrerin wollte mich eigentlich noch nicht als Schüler annehmen, weil ich zu jung war. Da hatte ich bei ihr aber schon all die kleinen Geigen an der Wand gesehen und bekam augenblicklich einen Wutanfall. Um mich zu beruhigen, gab mir die Lehrerin schließlich ein Instrument in die Hand. Ich habe einfach drauflosgespielt. In dem Moment hatte ich das erreicht, was ich wollte.

ZEIT ONLINE: Sie engagieren sich auch für Initiativen, die möglichst viele Menschen an Musik heranführen wollen. Was hat Sie besonders dazu motiviert?

Hope: Konzerte für Kinder sind für mich das Allerschönste. Beim Savannah Music Festival in den USA geben wir 20.000 Kindern die Möglichkeit, kostenlos Konzerte zu hören. Wir holen sie auch auf die Bühne, wo sie bei Proben mitdirigieren können und mitten unter den Musikern sitzen. Sie erleben also unmittelbar, wie es sich anfühlt, Teil eines Orchesters zu sein. Man sieht ihnen die Begeisterung an, das finde ich fantastisch. Wir Künstler müssen auf eine verständliche Art vermitteln können, was das Besondere an Musik ist.

ZEIT ONLINE: Kinder bewegen sich oft spontan zu klassischer Musik, während Erwachsene im Konzert still sitzen. In früheren Zeiten war das anders.

Hope: Denken Sie nur an die Barockzeit, da wurde oft zu Musik getanzt. Die Geige wurde früher auf Volksfesten gespielt und galt sogar als subversives Instrument. Erst seit etwa 150 Jahren wird uns erklärt, dass wir in Konzerten ruhig und andächtig sein müssen. Junge Leute haben dagegen noch keine Hemmungen, auch zu klassischer Musik zu tanzen und mit dem Fuß zu wippen. Sie empfinden eine Gigue von Bach als sehr lebendig.

ZEIT ONLINE: Was hat Ihrer Ansicht nach dazu geführt, dass sich unsere Gesellschaft so weit von klassischer Musik entfernt hat?