Als die Voyager-Rakete im Jahr 1977 das akustische Erbe der Menschheit auf einer goldenen Schallplatte ins All trug, mussten die Beatles auf der Erde bleiben. Ihre Plattenfirma EMI wollte nicht, dass der Song Here Comes The Sun extraterrestrischen Lebewesen zu Ohren kommt.

Dreiunddreißig Jahre später kann EMI es sich nicht mehr leisten, potenzielle Hörer zu verprellen. Das Unternehmen ist hoch verschuldet und muss nehmen, was es kriegen kann. Die Zeit ist günstig, gerade jährt sich die Gründung der Beatles zum 50. Mal – John, Paul, George und Ringo überall. Also auch auf iTunes.

Jahrelang hatte der Apple-Chef Steve Jobs die verbliebenen Beatles umworben. Er wollte die Musik seiner Lieblingsband endlich auch zum Download anbieten. Sein Flehen traf auf taube Ohren, denn ein Markenstreit hatte die Musiker und ihre Erben vergrätzt: Apple heißt auch der eigene Verlag der Band. Die beiden Unternehmen hatten einst vereinbart, dass Steve Jobs sich mit seiner Marke vom Musikgeschäft fernhält. Wie die Geschichte zeigt, hat er nicht ganz Wort gehalten. Erst 2007 vertrugen sich die Parteien wieder.

Jetzt hat Steve Jobs endgültig bewiesen, dass er den größeren Apple hat. Ums Geld wird es ihm nicht gehen, denn sein Musikladen ist noch immer ein Nullsummenspiel, obwohl er weltweit marktführend ist. Es kann ihm egal sein, ob iTunes die Lieder der Beatles verkauft. Die Vereinbarung hat wohl eher symbolischen Wert. Ein bedeutendes Gut der Kulturgeschichte steht nun auf seiner Plattform.

Tatsächlich stellt sich die Frage, wer sich Eleanor Rigby , Sexy Sadie und Lovely Rita für 1,29 Euro aus dem Netz zieht. Denn wer die Lieder auf dem iPod hören wollte, konnte sie bisher auch von CDs importieren.

Die EMI hofft dennoch auf ein gutes Jubiläumsgeschäft, um sich aus den roten Zahlen zu retten. Die neu gemasterten Beatles-CDs, die im vergangenen Jahr erschienen, verkauften sich immerhin 13 Millionen Mal. Aber ob sich das jüngere Download-Publikum wirklich brennend für eine Band interessiert, die es seit vier Dekaden nicht mehr gibt?

In zwei Jahren erlischt in Großbritannien der Urheberrechtsschutz der ersten Beatles-Songs, dann darf sie dort jeder aufführen, einspielen, verkaufen, wie er lustig ist. Sollte dann noch einmal eine Rakete das erneuerte Erbe der Menschheit ins Universum schießen, wären die Hits der Beatles wohl wieder nicht dabei. An ihrer Stelle flöge Steve Jobs mit.