Was macht einen James-Bond-Film zum James-Bond-Film? Sean Connery kann es nicht sein, der hat nicht mal in der Hälfte aller Streifen mitgespielt. Die Schießkugelschreiber und Unterwasserhelikopter, die der Tüftler Q für 007 bastelt? Die geschüttelten Martinis? Die Verfolgungsjagden? Die Frauen? Alles nichts ohne die Musik.

John Barry, der das James-Bond-Thema 1962 arrangiert hat, ist am Sonntag mit 77 Jahren gestorben. Arrangiert, wohlgemerkt, nicht komponiert. Jedenfalls nicht offiziell: Als Komponist wird Monty Norman genannt, der dieses Recht 2001 vor Gericht durchsetzte. Norman, den die Produktionsfirma als Komponisten für James Bond jagt Dr. No verpflichtet hatte, klagte damals gegen die Sunday Times , die Normans Urheberschaft in Zweifel zog.

Barry sagte als Zeuge auf Seiten der Zeitung aus. Seine Darstellung ging so: Monty Norman habe ihm Noten zum Arrangieren gegeben, denen er, Barry, eigene Takte hinzugefügt und instrumentiert habe. Wie viel von der Musik von ihm stammt, blieb offen; Experten meinen, das Thema trage sehr deutlich Barrys Handschrift. Dass er der Arrangeur ist, bestätigte der High Court, auch wenn er Norman die Rechte zusprach. Dass es genau dieses Arrangement ist, diese Balance aus frühem E-Gitarren-Rock und satten Big-Band-Bläsersätzen, das das Thema zur unverwechselbaren Bond-Signatur macht, übersahen die Richter.

Barrys Karriere begann, als die Zeit der großen Filmstudios endete. In den späten fünfziger Jahren kamen die sinfonischen Soundtracks aus der Mode – auch, weil die entsprechenden Orchester zu teuer wurden. Stattdessen untermalten Jazz und Pop die Filme. Der Brite Barry, 1933 in York als John Barry Prendergast geboren, brachte für beides die perfekten Voraussetzungen mit: Seine Mutter war Pianistin, seinem Vater gehörten mehrere Kinos, er hatte Klavier und Trompete gelernt. In einer Armee-Band spielte er Jazz und lernte im Fernunterricht Komponieren nach der Technik von Joseph Schillinger, eine Art Notenmalen nach Zahlen.

Im Jahr 1957 gründete Barry die bläserlastige Rock’n’Roll-Band The John Barry Seven und arbeitete als Arrangeur für die Plattenfirma EMI. Seinen ersten Film-Score schrieb er 1961 zu Beat Girl ( Heiß auf nackten Steinen ) mit dem englischen Elvis-Epigonen Adam Faith. Nach Dr. No komponierte er bis 1978 die Musik für elf weitere Bond-Filme: in jenem hektisch jazzigen Orchester-Stil, der so gut zu atemlosen Kämpfen auf den Dächern rollender Eisenbahnwaggons passt oder zu Fallschirmsprüngen ins Meer. Im Dienste ihrer Majestät ließ er Shirley Bassey in Goldfinger 1964 von dem Mann mit dem Midas-Touch singen.

Auch unter Barrys Fingern wurde vieles zu Gold. Seine Soundtracks für die Afrika-Filme Frei geboren , Zulu und Jenseits von Afrika , für Kriminalfilme wie Ein Mann wird gejagt , Cotton Club oder The Specialist sammelten Preise. Neben vier Grammys standen fünf Oscars in seinen Regalen, zwei – Titelsong und Soundtrack – für Frei geboren (1966), je einer für Der mit dem Wolf tanzt (1990), Jenseits von Afrika (1985) und für das Historiendrama Der Löwe im Winter von 1969, in dem die Musik neben Peter O’Toole und Katharine Hepburn eine dritte Hauptrolle spielte.

Den zackigen, jazzaffinen Bond-Stil ließ Barry später hinter sich, als er nach Hollywood ging und reich wurde. In den Sechzigern aber swingte der auch körperlich ansehnliche Komponist durch London. Auch privat, mit wechselnden Partnerinnen und insgesamt vier Ehen. In der zweiten davon war er drei Jahre lang mit Jane Birkin verheiratet, bevor sie bei einem Filmprojekt Serge Gainsbourg kennen lernte und Je t’aime einstöhnte.