Rekorder - Rekorder: Wye Oak spielen "Civilian"

Mit Rock 'n' Roll hat das nichts zu tun. Es ist 10 Uhr am Morgen, die Spuren der vergangenen Nacht sind längst aus der Whisky Lounge des Michelberger Hotels in Berlin gewischt. Schwer vorstellbar, dass hier erst vor wenigen Stunden die letzte Bierflasche umkippte. Am Abend haben Jenn Wasner und Andy Stack in der Lobby ein kleines Konzert gegeben. Mundpropaganda hatte 150 Leute angelockt, die sich zwischen den Sofas drängten, um Wye Oak aus Baltimore, Maryland zu hören.

Und jetzt schon wieder singen? So früh? Jenn Wasner ist überraschend gut gelaunt, frisch geduscht, hat die Haare gekämmt, nur ihre Stimme klingt noch etwas zerzaust. "Wie gut, dass die Melodie so tief ist", sagt sie und legt los. Ihr Duettpartner Andy Stack schlägt den Takt auf dem Schellenkranz und stampft mit dem Fuß. Schon seit der Schulzeit machen sie Musik miteinander, zu zweit sind sie die Band.

Im März erscheint ihr drittes Album Civilian – wohliger Folkrock, durchzogen von großen Melodien. Unprätentiös, aber sehr wirkungsvoll. Nur: Was ist das für ein Bandname? Die Wye Oak war die größte Weißeiche in den USA und ist noch heute ein Symbol des Bundesstaates Maryland. In der Whisky Lounge begegnen sich nun amerikanische und deutsche Eiche, unverwüstlich und rustikal. Hoppla, da kriecht ein Ohrwurm ins Gehölz.

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