Frage: Mister Collins, Sie bezeichnen sich auf Ihrem neuen Album als Funk Teacher , im Internet betreiben Sie eine Funk-Universität . Können Sie uns eine kleine Einführungslektion geben?

Bootsy Collins: Für mich ist Funk mehr als nur die Musik. Es geht darum, etwas aus dem Nichts zu erschaffen. Nichts zu haben ist Funk. Denn dadurch ist man gezwungen, kreativ zu sein. Als ich klein war, wollte ich unbedingt eine Gitarre haben – wie mein acht Jahre älterer Bruder Catfish. Irgendwann traute ich mich, meine Mutter zu fragen, obwohl sie wirklich andere Sorgen hatte. Doch sie ging zu einem Laden, der ihr Kredit gewährte. Das war eigentlich völlig abwegig.

Frage: Wie teuer war die Gitarre?

Collins: 29,95 Dollar. Ich hatte also endlich die Gitarre und wollte mit meinem Bruder spielen. Doch da merkte ich: Er braucht einen Bassisten. Das heißt, ich brauche vier Saiten für diese Gitarre. Ich nervte so lange herum, bis ich sie hatte. Da war der Geist des Funk am Werk. Und dieser Bass klang fantastisch. Alle liebten ihn.

Frage: Wer war Ihr erster Lehrer? Catfish?

Collins: Ja, er war mein Lehrer und meine Inspiration. Wir hatten keinen Vater im Haus, ich versuchte, so zu sein wie Catfish. Er war cool. Die Mädchen schauten auf ihn, weil er Gitarre spielte. Und dann erschien Jimi Hendrix auf der Bildfläche. Es war irre: die Musik, die Mode, die Wildheit. Ich startete in der besten Zeit, die man sich denken kann. Alle versuchten, etwas Neues zu machen. Alle fingen an, LSD zu nehmen. Und ich war froh, Teil dieser Welt zu sein. Es war eine fantastische Zeit für kreative Menschen.

Frage: Als Sie 17 waren, holte James Brown Sie und ihren Bruder in seine Band. Wie lief das ab?

Collins: Wir hatten bei King Records in Cincinnatti als Studiomusiker gearbeitet. James Brown, der dort ebenfalls aufnahm, hörte von uns. Um zu testen, wie gut wir waren, schickte er uns zusammen mit Hank Ballard auf Tour. Und danach mit Marva Whitney, einer seiner Sängerinnen. Ich glaube, nachdem wir beide Tests bestanden hatten, dachte er: Wenn ich eine neue Band brauche, weiß ich, wen ich anrufen muss. Und so kam es. Eines Abends wollte seine Band nicht auftreten.

Frage: Die Musiker wollten mehr Geld.

Collins: Genau. Also ließ James Brown seine rechte Hand, Bobby Byrd, bei uns anrufen. Wir dachten erst, das ist ein Scherz. Doch Brown schickte uns seinen Lear Jet. Wir packten unsere Sachen und flogen hin. Es gab keine Proben. Er holte uns in die Garderobe und sagte ( imitiert Browns heisere Stimme ): "Ich weiß, ihr kennt alle meine Songs. Wenn ich meine Hand senke, werdet ihr reinhauen." Wir gingen raus auf die Bühne und los ging's mit Cold Swea t . Erst nach einer Woche hatten wir Zeit für Proben. Und wir probten, bis unsere Finger bluteten.

Frage: James Brown war bekannt für seine Strenge. Er ließ die Musiker sogar Strafen zahlen, wenn sie falsch gespielt hatten. Ist ihnen das auch mal passiert?

Collins: Er hat das anfangs ein paar Mal probiert. Aber wir hatten ohnehin nie Geld. Wir gaben ihm allerdings auch keinen Grund, uns zu bestrafen. Wir strengten uns wahnsinnig an. Denn wir wollten ihm beweisen, dass wir es draufhaben. Wir wollten besser als die Besten sein.

Frage: Mit James Brown fuhren Sie 1970 sogar zu Fela Kuti nach Nigeria.

Collins: Ja, wir waren in seinem Club in Lagos. Da gab es einen Rhythmus! Wow!

Frage: Den Afrobeat, den Kuti begründete.

Collins: Das war überwältigend. Wir waren genauso beeindruckt von den Musikern dort wie sie von uns. Sie hielten uns für etwas ganz Besonderes, behandelten uns wie Könige, aber ich fand ihren Sound wirklich deep – mehr als unseren. Und dann ließen sie dort auch noch Joints herumgehen, die groß waren wie Zigarren. So was hatten wir noch nicht gesehen.