ZEIT ONLINE: Herr Ferchichi, auf Ihrem neuen Album Jenseits von gut und böse rappen Sie, die Castingshowkandidaten Deutschlands mögen verrecken. Warum so streng?

Bushido: Ich habe 1998 angefangen, Musik zu machen, die ersten Tapes selber verkauft, an der GEMA vorbei auf irgendwelchen Berliner Hinterhöfen kopiert, sie per Hand auf Festivals verkauft. Bis zur ersten Veröffentlichung bei einer großen Plattenfirma hat es sieben Jahre gedauert. Im Jahr 2005 waren 50.000 Euro sehr viel Geld für mich. Heute sage ich schon mal ein Konzert ab, wenn ich dort nur 50.000 Euro verdiene, weil ich lieber Fußballgucken will. Seit 13 Jahren wächst diese Musikkarriere. Anders als die irgendeines Pietro Lombardis oder Mark Medlocks, der in einer Castingshow das Publikum nur durch Sympathie überzeugt hat. Davor kann ich keinen großen Respekt haben.

ZEIT ONLINE: Sie verdienen Ihr Geld noch dazu mit Immobilien und haben eine Bekleidungsmarke. Es ist ja schon symptomatisch für Hip-Hop , dass aus Musikern irgendwann Großunternehmer werden.

Bushido: Entweder, du bist gezwungen, neben der Musik noch andere Geschäfte zu haben, damit du deinen Lebensunterhalt verdienen kannst. Oder du machst es wie ich, verdienst sehr gut mit der Musik und nochmal das Doppelte mit anderen Sachen. Genug Geld hat man nie. Erst recht nicht, wenn man fast 50 Prozent Steuern zahlt. Ich war einen Monat auf Tour, wir haben 44.000 Tickets verkauft – ein Umsatz von etwa 1,2 Millionen Euro. Das ganze Geld muss ja nicht untätig sein. Ich habe mich mit sehr vernünftigen Menschen zusammengeschlossen, die im Immobilienmarkt tätig sind. Dieses Haus und Grundstück hier hab ich vor vier Jahren gekauft, in sechs Jahren kann ich das steuerfrei verkaufen und werde viel mehr Geld damit verdienen, als ich bezahlt habe. Und dann nehme ich mir einen Architekten und baue mir ein eigenes Haus. Mit den Hunden, mit Mama...

ZEIT ONLINE: ...und mit der Ehefrau?

Bushido: Mein großes nächstes Kapitel ist natürlich: Frau, Kinder, Familie. Und dafür braucht man Ressourcen. Sowohl finanzielle als auch geistige.

ZEIT ONLINE: Ist dann nicht irgendwann der Punkt erreicht, an dem Sie zugeben müssen: Diese Art von Hip-Hop funktioniert nicht mehr, weil Sie die Jugend, die Sie ansprechen, nicht mehr erreichen können? Die kauft Ihnen das irgendwann doch nicht mehr ab.

Bushido: Ich habe mir nie wirklich Sorgen um meine Authentizität gemacht. Musik ist eine Kunstform, aber zum Hip-Hop gehört immer ein großer Grad an Realness , alles wird wörtlich genommen. Wenn ich versuche, ein vernünftiges Leben in einem gesunden sozialen Umfeld zu leben, mit meiner Mutter, meiner Frau, meinen Kindern zusammen, dann wird das möglicherweise im Hip-Hop verpönt. Aber wer meint, er müsse meine Musik nicht hören, weil ich in meinem Keller keine Leichen verbuddele, der tut mir leid.

ZEIT ONLINE: Sind Sie beleidigt, wenn man Sie spießig nennt?

Bushido: Wenn ich mit meinem Lebensstil, meiner Lebenssituation zufrieden bin, ist mir doch egal, ob Sie mich Spießer nennen oder kleinkariert oder gutbürgerlich.

ZEIT ONLINE: Sie schreiben in Ihrer Biografie über Ihre Traumfrau, "sie sollte sich schon zu beschäftigen wissen und mir nicht den ganzen Tag mit irgendeiner Kacke auf den Sack gehen". Ist das Ihre Art zu sagen, dass Sie sich eine selbstständige Frau wünschen?