In einem Land, das die zuverlässigsten Waschmaschinen baut, in der Stadt, in der eine Band namens Kraftwerk die Menschmaschinen zum Leben erweckte, zu einer Zeit, als die Urfassung von Fritz Langs technofuturistischem Stummfilm Metropolis wieder in den Kinos läuft – also Mitte Mai 2011 im deutschen Düsseldorf fand der 56. Eurovision Song Contest statt.

Nach 28 Jahren durfte Deutschland ihn wieder austragen und präsentierte sich als sympathischer Gastgeber. Als die italienische Delegierte nach zwei Stunden Gesangswettbewerb ihre Punkte durchfunkte, lobte sie die Show als " full of technology but very full of soul, too ". Damit brachte sie den Abend und ganz nebenbei noch einen Mythos der deutschen Spätmoderne auf den Punkt: Wir laden unsere Batterie. Jetzt sind wir voller Energie. Wir sind die Roboter! ( Kraftwerk 1978) Aber: Dieser Computer ist verliebt . ( Bonaparte 2010) Robuste Waschmaschinen: ja. Hirnlose Showmaschinen: nein.

Dass der liebliche Song Contest in diesem Jahr anders sein würde, war klar. Stefan Raab hatte eine Lena gefunden, hatte öffentlich-rechtliche und private Fernsehsender zu Verbündeten und sich selbst zum Chefmoderator der Show gemacht. Aber dass das Rahmenprogramm so unterhaltsam geraten könnte, damit war nicht zu rechnen. Raab und seine komische Co-Moderatorin Anke Engelke, beide leidenschaftliche Musiker, zeigten Europa, wie man mit Selbstironie, Slapstick und mitreißender Spielfreude ein Sendeformat entstaubt. Ihre ARD-Kollegin Judith Rakers kannte sich damit noch nicht so gut aus und stand lieber glitzernd im Dekor herum.

Apropos Dekor: Aus der Düsseldofer Esprit-Arena ist ein äußerst geschmackvoll eingerichtetes Fernsehstudio geworden. Europas größtes, versteht sich. Mit Europas größter LED-Wand, versteht sich. Mit Europas größtem Bühnenfeuerwerk, versteht sich. Die Botschaft ging an ganz Europa: Wir haben (abgesehen von den Tonausfällen beim Halbfinale) die Technik im Griff, und wir haben Groove.

Die Wettbewerbsteilnehmer hingegen konzentrierten sich eher auf Wumms oder Schmelz. Zehn der 25 Finalteilnehmer, darunter auch Lena, waren singende Profijugendliche. Die meisten von ihnen hatten bereits in landeseigenen Castingshows Erfahrungen gesammelt. All die ausgestellte Flippigkeit, der adoleszente Charme, der Körpereinsatz, sie halfen ihnen nichts: Es gewann das Duo Ell und Nikki aus Aserbaidschan . Nach einem kurzen Ausflug in Lenas musikalische Gefilde kehrte die ESC-Gemeinde mit dieser Wahl wieder zurück zu altem Schmonz. Große Gesten in Weiß und Gold, ein Sehnen und Schmachten, unterlegt mit recht zeitgemäßem Radiopop aus schwedischer Feder.

Stockholm freute sich dann nicht nur über die Tantiemen am Siegersong, sondern auch über einen dritten Platz für Eric Saade, der offenbar die Eurotrash-Fraktion im Publikum ansprach. Schade, dass sich seine dämliche Liedzeile " I will be popular " bewahrheiten musste.