Viele Dinge haben in Bayreuth Tradition: die Akustik, die unbequemen Holzstühle – und die Tatsache, dass Normalsterbliche für Karten etwa zehn Jahre warten müssen. Diese Vergabepraxis scheint nun zu wackeln, nachdem der Bundesrechnungshof sie heftig kritisierte hatte. Die Festspielchefin Katharina Wagner deutete als erstes Mitglied der Wagnerfamilie an, dass sie die Kontingente überprüfen wolle. Die 14.000 Tickets für den Mäzenatenverein "Freunde von Bayreuth" werde sie zwar nicht antasten, sagte die 33-Jährige dem Focus. Aber andere Kontingente kämen auf den Prüfstand.

Das gelte etwa für zwei Aufführungen, die an verschiedene Gewerkschaften gehen. "Oder das Kontingent, das mein Vater an Reiseveranstalter vergeben hat. Aus reinem Sicherheitsdenken, gut verkauft zu sein", zitiert Focus die Tochter des im März 2010 gestorbenen Wolfgang Wagner. Zudem wolle sie endlich den Schwarzmarkt in den Griff bekommen, wo Karten teils für mehr als 1.000 Euro verkauft würden, sagte Wagner. Wenn diese Maßnahmen gelängen, kämen auch größere Stückzahlen zu den Wagnerianern, die bisher kaum Chancen hatten, auf normalem Weg ein Festspiel-Billett zu bekommen.

Der Bundesrechnungshof hatte jüngst kritisiert, dass 2010 nur 40 Prozent der Karten in den freien Verkauf gingen, bei Premieren seien es sogar nur 16 Prozent gewesen. Der Rest wird entweder als Freikarten oder als feste Kontingente an Sponsoren und Prominente aus Politik, Wirtschaft, und Gesellschaft vergeben. "Wir haben festgestellt, dass das Förderziel des Bundes, die Festspiele einem breiten Publikum zu öffnen, kaum erreicht wird, weil nur ein geringer Teil der Karten für den freien Verkauf zur Verfügung steht", heißt es in dem Bericht der Rechnungsprüfer. Der Bund unterstützt die Bayreuther Festspiele derzeit mit 2,3 Millionen Euro.

Die "Gesellschaft der Freunde von Bayreuth" hatte Kritik an dem Kontingent ihrer Tickets zurückgewiesen: "Das sind keine Freikarten, jedes Ticket wird bezahlt", sagte Vorstandschef Georg von Waldenfels. Er sagte weiter, Bund und Land müssten ihre Zuschüsse stark aufstocken, würde sich sein Verein nicht mehr finanziell engagieren. In diesem Jahr unterstützt der Mäzenatenverein die Richard-Wagner-Festspiele nach eigenen Angaben mit mindestens drei Millionen Euro.