Melodie und Text: Volkstümlich, um 1900 in Berlin

1. Strophe
Bolle reiste jüngst zu Pfingsten,
nach Pankow war sein Ziel.
Da verlor er seinen Jüngsten
janz plötzlich im Jewühl;
ne volle halbe Stunde
hat er nach ihm jespürt.
Aber dennoch hat sich Bolle
janz köstlich amüsiert.

2. Strophe
In Pankow gab's kein Essen,
in Pankow gab's kein Bier,
war alles uffjefressen
von fremden Leuten hier.
Nicht mal 'ne Butterstulle
hat man ihm reserviert!
Aber dennoch hat sich Bolle
janz köstlich amüsiert.

3. Strophe
Auf der Schönholzer Heide,
da jab's ne Keilerei,
und Bolle, jar nicht feige,
war mittenmang dabei,
hat's Messer rausgezogen
und fünfe massakriert.
Aber dennoch hat sich Bolle
janz köstlich amüsiert.

4. Strophe
Es fing schon an zu tagen,
als er sein Heim erblickt.
Das Hemd war ohne Kragen,
das Nasenbein zerknickt,
das linke Auge fehlte,
das rechte marmoriert.
Aber dennoch hat sich Bolle
janz köstlich amüsiert.

5. Strophe
Als er nach Haus jekommen,
da ging's ihm aber schlecht;
da hat ihn seine Olle
janz mörderlich verdrescht!
Ne volle halbe Stunde
hat sie auf ihm poliert.
Aber dennoch hat sich Bolle
janz köstlich amüsiert.

6. Strophe
Und Bolle wollte sterben,
er hat sich's überlegt:
er hat sich uff die Schienen
der Kleinbahn druffjelegt.
Die Kleinbahn hat Verspätung,
und vierzehn Tage druff,
da fand man unsern Bolle
als Dörrjemüse uff.

7. Strophe
Und Bolle wurd' begraben
in einer alten Kist'.
Der Pfarrer sagte "Amen"
und warf ihn auf den Mist.
Die Leute klatschten Beifall
und gingen dann nach Haus.
Und nun ist die Geschichte
von unserm Bolle aus.

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"Volkslieder" ist ein Gemeinschaftsprojekt von SWR2, dem Carus-Verlag und ZEIT ONLINE.