Claus Spahns Lieblinge

Wolfgang Amadeus Mozart: Klaviersonaten, Kristian Bezuidenhout (harmonia mundi france)
Mozartsonaten gut zu spielen, heißt die Balance zu finden. Man darf den Stücken nicht zu distanziert und respektvoll begegnen. Man darf aber auch nicht zu viel wollen und sie zu egomanisch und subjektiv angehen. Man muss sich dem Fluss der Musik mit großer Selbstverständlichkeit überlassen und trotzdem ein feines Ohr haben für das atemberaubend Überraschende, das Mozart seinen Stücken immer wieder einkomponiert hat. Der südafrikanische Kristian Bezuidenhout beherrscht diese Balance. Sein Mozartspiel lebt von tollen Farben, Kontrasten, Stimmungswechseln. Er zeigt Mozart als Theatergenie. Was auch an seinem farbenprächtigen, historischen Instrument liegt: Es ist der Nachbau eines Pianoforte von Anton Walter aus dem Jahr 1802.

 

Ludwig van Beethoven: Die Streichquartette, Artemis-Quartett (Virgin/EMI 7 CDs)
Jedes Streichquartettensemble hat die Beethovenwerke im Repertoire, Gesamtaufnahmen mit allen Quartetten gibt es viele. Aber eine so großartige Einspielung, wie sie jetzt das Artemis-Quartett vorgelegt hat, gibt es ganz selten. Sie hat Referenzcharakter. Wie mit einem Laserstrahl brenngenau auf den Punkt gezirkelt sind die Phrasierungen der vier Musiker. Ihr Spiel ist expressiv und zielt doch stets auf eine objektivierte Klarheit im Ausdruck. Wohin man auch hört: Es wird sehr genau empfunden.

 

Antonio Vivaldi: Cellokonzerte, Akademie für Alte Musik Berlin, Ltg.: Georg Kallweit, Jean Guihen Queyras (Violoncello) (harmonia mundi france)
Wer immer noch glaubt, der italienische Komponist sei ein Langweiler, wird hier eines Besseren belehrt. Vivaldi war einer der wichtigsten und prägendsten Opernkomponisten seiner Zeit. Er hat theatralisch effektvolle und erfindungsreiche Musik geschrieben in souveräner Kenntnis der instrumentalen Möglichkeiten. Gerade dieses handwerklich Raffinierte, das Gespür für Wirkungen und das Erzmusikantische machen ihn als Komponisten interessant. Mit Superschwung stürzen sich die Berliner auf den Venezianer, und der Cellist Jean Guihen Queyras turnt mit halsbrecherischer Virtuosität durch die Akkordbrechungen und Skalenkaskaden.