"Ria Novosti sucht permanent nach Wegen, um die Anzahl der Nutzer auf ihren Websites zu erhöhen. Für die Massenmedien sind die jungen Zuschauer am schwersten zu erreichen", erläutert Ria Novosti in einer Projektbeschreibung. Zielgruppe sind demnach Jugendliche zwischen 12 und 24, die Rap-Musik mögen – und das sind, einem der größten Szene-Magazine Moskaus zufolge, 90 Prozent der Schulabgänger. Deswegen soll Rapinfo die Jugend nicht nur an die Bildschirme locken, sondern Russland auch ein bisschen gesünder machen. DinoMC47 und sein Kompagnon ST rappen gegen das Rauchen, gegen Drogen, gegen Alkoholmissbrauch.

Eine von der Regierung ausgeklügelte und gesteuerte PR-Kampagne ist Rapinfo dennoch nicht, sondern ein Versuch junger Menschen, ein Programm für ihre Altersgenossen zu machen. "Das Führungsgremium von Ria Novosti ist recht jung und auch an Objektivität interessiert", sagt Alexander Rahr, Russland-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Er berät unter anderem die Bundesregierung , wenn es um die Zusammenarbeit mit Russland geht. Rahr sieht die Internet-Revolution voranschreiten. "Selbst Putin, der vor wenigen Monaten noch nichts vom Internet wissen wollte, macht plötzlich Online-Wahlkampf. Die Machthaber wissen, dass sie die Jugend nicht per staatlicher Verlautbarung umerziehen können."

Trotzdem herrscht vielerorts Gleichgültigkeit. "Ruhig bleiben", sagt Artur, "zur Revolution kommt es nie". Er ist Philosophie-Student in Belgorod, einer Stadt acht Autostunden südlich von Moskau. "Ja, man kann im Internet sagen, was man will, aber ändern wird sich ja doch nichts. Dafür kann man aber behaupten, man hätte Demokratie. Hier wird vielen schon übel von der vielen Kritik an Putin, die sowieso nichts ändert."

Aber die Provinz gehört ja auch nicht dazu, zur aktuellen Protest-Front. In der russischen Hauptstadt rappt DinoMC47 : "Blogger, Hipster und Moskauer sind der Kern des neuen Protests / ihre Forderungen und Ideen sind nun vielen Menschen zugänglich / nur die Machthaber streiten sich, wie in Krylows Parabel über den Schwan, Krebs und den Hecht [ Anm. d. Red.: Jeder zieht in eine Richtung und am Ende kommt niemand voran] / doch das Positive ist, dass sich endlich was bewegt und zum besseren wendet."

Ganz so optimistisch sind die neuen Rapinfo-Fans Maria, Albert und Artur nicht. Alexander Rahr hingegen glaubt, dass sich etwas ändern wird in Russland. "Menschen, die nach dem Kommunismus geboren sind, lassen sich vom Staat nicht mehr einschüchtern. Im Moment gibt es allerdings keine Alternative zu Putin." Über die Situation nach den Massenprotesten sagt Rahr: "Die Angst ist weg."