In der Opernfassung wird wenig zugespitzt. Was auch mit Philip Glass' Kompositionsstil zu tun hat: Er treibt seine minimalistische, oder wie er selbst sagt "Musik mit repetitiver Struktur" nicht auf Höhepunkte zu, sondern unterlegt sie der Handlung als allzeit harmonischen, eingängig zu hörenden Klangteppich – so wie man es aus seinen Filmsoundtracks kennt. Er habe sich bei dieser Oper von der "Einfachheit, Klarheit und Direktheit" der Warhol-Bilder inspirieren lassen, sagt der amerikanische Komponist. Den Sängern gibt er wenig Gelegenheit zu brillieren, Arien stehen nicht auf dem Programm, stattdessen entwickeln sich die Dialoge als Rezitative.
 
Der britische Bariton Christopher Purves in der Rolle Disneys beherrscht die ihm abverlangte Form bravourös, er spielt nach Belieben mit seiner Stimme und wächst auf der Bühne zur komplexen Persönlichkeit heran, mal hochfahrend, mal todesängstig, ein Don Corleone, wie ihn Marlon Brando in Der Pate gab. Die zurückhaltende Inszenierung von Phelim McDermott, die niemals mit einem Disney-Spektakel konkurrieren will, gibt dem Protagonisten und den anderen Figuren um ihn Raum zur Entfaltung.
 
Philip Glass übrigens empfindet Sympathie für seinen Disney. Vielleicht, weil er als Opernkomponist das Glück hat, seinen Namen über einem Werk zu sehen, das in Wirklichkeit das Werk vieler ist. "Er war gleichzeitig ein gewöhnlicher und ein außergewöhnlicher Mensch", sagt er über Disney. "In gewisser Weise ist er wie jeder andere auch. Und ich glaube, das ist es, was wir an ihm mögen." Das Premierenpublikum in Madrid mochte jedenfalls The Perfect American. Es spendete, wenn auch keinen begeisterten, so doch sehr freundlichen Beifall.