Es gibt Menschen, die sind so untrennbar mit der äußeren Erscheinungsform verbunden, dass jede Änderung irritiert. Von Peter Behrens haben die meisten Deutschen dieses Bild im Kopf: Rote Hosenträger, weißes Shirt, dunkle Moritztolle. Vor 30 Jahren war Behrens Trommler von Trio, der berühmtesten Neue-Deutsche-Welle-Band. Doch das, zeigt sich 30 Jahre später, ist längst Geschichte. Der Mann, der in der Ecke eines Hamburger Bahnhofscafés sitzt, hat fahle Gesichtszüge, aschgraues Haar und trägt einen Altherren-Hut. Peter Behrens, 66, hat viel hinter sich seit "Da Da Da".

ZEIT ONLINE: Eine Frage, die bei Ihrem Leben keine Höflichkeitsfloskel ist: Wie geht’s?

Peter Behrens: Jetzt wieder wunderbar.

ZEIT ONLINE: Wieder, weil es mal anders war.

Behrens: Ganz anders. Ich war unten, und zwar eine Weile. Kokain, Alkohol, Schulden, Arbeitslosigkeit – das volle Programm. Aber als mich Klaus Marschall…

ZEIT ONLINE: ...ein Lehrer aus Soest...

Behrens: …anrief und meinte: "Du hast eine großartige Vergangenheit, magst du mir die nicht erzählen?", da merkte ich, Mensch, da kann man doch ein Buch draus machen.

ZEIT ONLINE: Ihre Autobiografie Der Clown mit der Trommel. Meine Jahre mit TRIO – aber nicht nur stand also gar nicht am Anfang Ihrer Zusammenarbeit mit Klaus Marschall?

Behrens: Nein, eher am Ende. Vor einem Jahr gings dann los mit der Recherche und ich musste mir erst mal bei Google Gedächtnisstützen suchen; was war in dem und dem Jahr – klick, klick, klick. So was merkt man sich ja nicht mal ohne Alkohol.

ZEIT ONLINE: Und wer hat das dann aufgeschrieben?

Behrens: Ich hab’ zwar Sport und Germanistik auf Lehramt studiert, aber langes Schreiben liegt mir nicht und meine Tippfähigkeiten sind eine Katastrophe. Klaus schreibt, ich denke.

Es ist eine Achterbahnfahrt, die der Drummer seinem Ghostwriter diktiert hat. Geboren als Sohn eines amerikanischen GI, landete Peter im friesischen Waisenhaus. Danach wurde er von zwei Bundesbahnern adoptiert, die ihn streng auf eine Beamtenlaufbahn hin erzogen. Der junge Behrens entzog sich dieser Option durch die Musik. Sie führte ihn über Schul-, Schlager- und Krautrockbands 1980 per Zeitungsannonce zu Stephan Remmler und Kralle Krawinkel aus Großenkneten. Ob die Geburt von Trio im Rückblick Glück war oder Pech? Behrens zuckt die Achseln. Auf jeden Fall handeln drei Viertel der 270 Buchseiten von der Band. Das spricht für beide Optionen.

ZEIT ONLINE: Sie sind mit Trio hoch gestiegen und tief gefallen. War das Buch da eine Art Therapie?

Behrens: Ja. Ich habe ständig mit dem Schicksal gehadert, denn nach dem Ende bin ich in ein tiefes Tal geraten, von dessen Mitte aus betrachtet die Berge immer unerreichbarer wurden.

ZEIT ONLINE: Und dieser Berg hieß Trio.

Behrens: Das war der Mount Everest meines Lebens. Ist er bis heute. Deshalb haben sich bei Trio alle, egal wie schlecht es mir selbst ging, auch immer gegen die Angebote entschieden, die Band wiederzubeleben. Wir haben Geschichte geschrieben, von den Texten übers Entertainment bis hin zum Minimalismus, und ein Denkmal sollte man nicht anpinkeln.