Tipps von Jan Freitag

So gern gehört französische Musik hierzulande auch ist: Dem aberwitzigen Glamrockswing von Matthieu Chedid blieb fünf Platten lang bloß die Nische. Das hat sich mit Nr. 6 keinesfalls geändert. Dabei zeigt der Saitenberserker unterm Pseudonym -M- auf Îl mehr denn je, was ihn daheim zum Stadionfüller macht: Über dem Gitarrensoligewitter entfacht sein Falsett ein orchestrales Feuerwerk, das alle Theatralik drum herum im Schweiße des tanzenden Angesichts fast vergessen macht. Grandios! Mathieu Chedid (-M-): Îl (Le Pop)

Wer einen Gestus der Straße pflegt, muss aufpassen, im Erfolgsfall nicht in jene goldenen Paläste gefegt zu werden, vor denen seine Lieder warnen. Elias Gottstein und Carl Luis Zielke musizieren nicht nur auf der Straße, sie leben dort. Noch. Denn das Debütalbum ihres Duos Guaia Guaia wurde von Universal produziert. Genießen wir also ihren renitenten Dada-Pop-Hop mit Posaune, Gitarre und Sampling, bevor das Geld des Majors zubeißt. Bis dahin ist es ein großer Tanzspaß für Skeptiker. Guaia Guaia: Eine Revolution ist noch zu wenig (Vertigo/Universal)

Was Justin Vernon auch anpackt, es wird großartig. Schon mit Bon Iver verpasste er dem Singer/Songwriting eine Coolness auf Hipsterbandniveau. Und sein Nebenprojekt Volcano Choir war schon vor dem Debüt bemerkenswert; der Nachfolger Repave jedoch geriet noch dichter, spannungsreicher. Die acht hochkonzentrierten Indiefolksongs mit ambivalentem Zugang zu den Basisstilen Americana, Alternative, Country sind besser als der erste Versuch, besser gar, als manches von Bon Iver selbst. Volcano Choir: Repave (Jagjaguwar)