Mehr als ein halbes Jahrhundert lang thronte er als musikalischer Schutzheiliger über dem linken Amerika, über Bürgerrechts- und Friedensbewegung, über Kommunisten und Kapitalismuskritikern. Pete Seeger, Jahrgang 1919, erklärte seine Rolle so kokett wie selbstkritisch mit einer Karikatur: Sie zeigt seine Frau mit Wäscheberg, Besen und Kind am Rockzipfel, wie sie einem Anrufer sagt: "Nein, er ist nicht da, er ist weit weg, um die Menschheit zu retten."

Dabei begann Seeger unpolitisch, als Feldforscher. Der Sohn einer Geigenlehrerin und eines Musikwissenschaftlers in New York begeisterte sich für Square Dance und Bluegrass. Sein Soziologiestudium brach er ab, arbeitete von 1940 an für den Musikethnologen Alan Lomax, der Aufnahmen authentischer amerikanischer Volksmusik sammelte.

Zur Politik fand Seeger über den etwas älteren Folk-Sänger Woody Guthrie, der die Armut der Landarbeiter und den amerikanischen Traum in Liedern wie den Dust Bowl Ballads oder This Land Is Your Land kontrastierte. Seeger zog mit Guthrie übers Land und lernte ein anderes Amerika kennen als das seiner gut situierten Eltern. 1941 trat er der kommunistischen Jugendliga bei.

Das Geld verdiente seine Frau

Mit Guthrie und anderen gründete er die Almanac Singers, die sich aus der Volksliedtradition der USA aussuchten, was zu ihren linken Idealen passte. Seeger sang, spielte Banjo und Gitarre, gern auf zwölf Saiten. Die Gruppe trat vor allem bei Gewerkschaftskundgebungen und Arbeitervereinen auf. Die zahlten wenig bis gar nicht. Das Geld zum Leben musste Seegers Frau Toshi verdienen.

Ein einziges Mal, erinnerte sich Seeger, hätten sie es groß ins Radio geschafft: Nach dem japanischen Angriff auf die US-Marine-Basis Pearl Harbor mit dem Song Round and round Hitler's grave. Doch die Zeitungen schrien auf über den Versuch, das Radio kommunistisch zu "unterwandern": "Das war der letzte Job, den wir bekamen." Die Almanac Singers lösten sich auf.


Seeger gründete 1945 Peoples Song, eine Organisation von Interpreten und Volksmusik-Forschern. Die Schriftenreihe Peoples Song Bulletin wurde 1950 zum Magazin Sing Out, dem Zentralorgan der Folkrevival-Bewegung. Ihre wichtigste Formation wurde das Quartett The Weavers, das Seeger 1949 zusammenbrachte. Der Ausbruch aus der linken und der Folk-Subkultur gelang ihnen mit einem Plattenvertrag beim Label Decca und Hits wie Goodnight, Irene (von Leadbelly), Jackhammer John (Woody Guthrie) und vor allem Pete Seegers If I Had A Hammer.

Der Appell, für Freiheit und Gerechtigkeit zum Hammer zu greifen, rief allerdings einmal mehr die Konservativen auf den Plan. Einen Vertrag für eine eigene Fernsehshow zog der Sender zurück. Ihr Manager riet der Band, den Song lieber nicht mehr zu spielen. Doch solche Kompromisse halfen nicht mehr, als Senator Joseph McCarthy gegen "unamerikanische Aktivitäten" vorging. Auch Seeger, der 1950 aus der Kommunistischen Partei ausgetreten war, sollte vor dem Komitee Namen von Mitgliedern nennen. Weil er sich weigerte, wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die erst in der Berufung aufgehoben wurde.

Auch die Weavers lösten sich unter dem Druck auf. An Weihnachten 1955 kamen sie aber noch einmal zu einem Comeback zusammen: Ein neuer Manager, Harold Leventhal, mietete auf eigenes Risiko die New Yorker Carnegie Hall. Seeger sagte später dazu: "Er wusste nicht, ob dort 100 Leute sein würden oder 200. Stattdessen war es ausverkauft. Fast 3.000. Und wir fingen wieder an zu singen." Bis 1958, dann ging Seeger eigener Wege.