Hauschka, ist das nicht der Typ, der einen halben Bürowarenladen in den Konzertflügel kippt und dann sowas wie Ambienttechno drauf spielt? Ganz genau. Sein Album The Prepared Piano machte ihn 2005 einem Publikum bekannt, das genauso wenig wie er selbst ahnte, welches Erbe da mitschwang: Als die klassische Komposition alle 88 Töne des Klaviers von allen Saiten erkundet hatte, begann John Cage 1940, das Instrument selbst neu zu komponieren. Mit Radiergummis, Papierstreifen oder Filz veränderte er den Klang des Stahls und brachte der Musik neues Material, mit dem man im wahrsten Sinne spielen konnte.

Als Volker Bertelmann alias Hauschka auf dieselbe Idee kam, wusste er nichts von seinem Vorgänger. Was seine Kunst aber nicht schmälert, zumal er sie in einem ganz anderen Kontext ansiedelt als Cage. Hauschka tänzelt ganz bewusst zwischen Pop, Techno und Avantgarde, ohne sich für das eine oder andere zu entscheiden.

Sein neues Album Abandoned City erzählt nun die musikalischen Geschichten von neun Geisterstädten. Orte, die von Menschen verlassen wurden, deren Leben einst hier stattfand und nun ein anderes Zentrum gefunden hat. Wie Thames Town in China, Elizabeth Bay in Namibia oder Craco in Italien. Die Hallräume zwischen Klavier und Percussion, kaltem Metall und warmem organischen Material schaffen ein abstraktes Abbild dieser Städte.

Und Hauschkas Arbeiten werfen immer wieder die Frage auf, wann Musik Kunst ist. Verleiht ihr das Wissen um die Entstehungsbedingungen eine höhere Qualität? Schreiben sich die Bemühungen des Klavierpräparators in die Musik mit ein oder müssen wir das Klangerlebnis unabhängig von seiner Erzeugung bewerten?

ZEIT-ONLINE-Leser können selbst nach Antworten suchen: Eine Woche vor Veröffentlichung des Albums steht es hier deutschlandexklusiv zum Stream bereit.