Asaf Avidan – Gold Shadow (Polydor)

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Asaf Avidan hat es nicht leicht. Sein einziger richtiger Hit hängt allen zum Hals heraus, seit eine Poetry Slammerin ihn zur kitschigen Zukunftsangst umdichtete und damit viel zu große Kreise zog. In Sachen Liebe bleibt alles traurig, und auch James Bond hat immer noch keine Soundtrack-Aufträge gefaxt. Also bewirbt der israelische Singer-Songwriter sich mit seinem neuen Album eben initiativ bei ihm. Entsprechend pompös ist Gold Shadow geworden, voller Streicher und ausgebreiteter Arme und natürlich mit dieser quäkigen Stimme, die schon vor Julia Engelmann alle gehasst oder geliebt haben und die Avidan in Songs wie My Tunnels Are Long And Dark These Days klingen lässt wie eine Diva mit verruchtem Lebensstil, ellbogenlangen Handschuhen und zu viel Soul fürs ordinäre Versmaß. In ruhigeren Momenten ist er dann wieder das Bondgirl, das weinend und wunderschön am Klavier sitzt und von gebrochenen Herzen singt, während der Geliebte in einem ganz anderen Hotelzimmer den letzten Drink nimmt. Tragisch, aber immer noch aufregender als unser eigenes Leben.

 

Feine Sahne Fischfilet – Bleiben oder Gehen (Audiolith)

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Das Aufregendste, was Feine Sahne Fischfilet jemals passiert ist: der Name der Band im Verfassungsschutzbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern und das gleich drei Jahre in Folge. Super PR, die sich Musiker und Label gerne ins Antifa-Heftchen schrieben, aber noch kein Indiz für musikalische Qualität. Um nun auch in dieser Hinsicht zu überzeugen, konzentriert sich das neue Album neben politischer Konfrontation und prinzipieller Punkwut auf die besten Songs der achtjährigen Bandgeschichte, die für nicht komplett Eingeweihte sowieso lediglich aus dem Gassenhauer Komplett im Arsch bestand. Natürlich gibt es auch auf Bleiben oder Gehen noch genug Trompeten-Deutschpunk, den der Sänger Monchi so wenig elitär grölt, dass wirklich jeder mitkann, der gegen NSU und Staat und die ganzen stumpfen Mitläufer ist. Aber Feine Sahne Fischfilet können auch tränentreibende Open-Air-Zugabenstücke wie Warten auf das Meer, das Bläser und Politik für eine Gitarre und ein persönliches Schicksal beiseiteschiebt. Oder poppige Kracherhymnen wie Glitzer im Gesicht und Lass uns gehen, zu denen sich das hübsch linke Audiolith-Publikum von heute und übrig gebliebene Trainingsjackenträger von vor 15 Jahren in den Armen liegen werden. So viel Laune macht Haltung hierzulande sonst nicht.

California X – Nights In The Dark (Don Giovanni)

© Don Giovanni

Die beste Weltfluchtvertonung der Woche kommt aus Massachusetts, auch wenn sie täuschend anders heißt. California X sind vier teils sehr langhaarige Männer, die ihre Langhaarmusik schon zum ersten Album ganz unverschämt auf Pop getrimmt haben und zum zweiten damit jetzt berühmt werden müssen. Wer etwas mit dem proggigen, fuzzigen, grungigen Emorock von Bands wie Dinosaur Jr. anfangen kann, wird Nights In The Dark mögen; allen anderen sei gesagt, dass verzerrt und heavy nie so eingängig klang wie bei California X. Dabei hilft sicher, dass sich schmutzige Ohrwürmer wie der Titelsong immer wieder mit leise gezupften Instrumentalstücken abwechseln und sich die Band bei aller überschäumender Lebensfreude nicht zu schade ist, Songs ganz klassisch kunstvoll in Pärchen zu sortieren. Es gibt das atmosphärische Blackrazor (pt. 1) mit schneidender Sologitarre und das gefährlich walzende Blackrazor (pt. 1), das noch die schlimmsten Metaller zum Kichern bringen wird. Es gibt den zähen ersten Teil von Summer Wall und den collegerockleichten zweiten, in dem Lemmy Gurtowsky singt wie in den schüchternsten neunziger Jahren. Und was ist das überhaupt für ein guter Rockstarname!


Kitty, Daisy & Lewis –
The Third (PIAS)

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Wer in den Neunzigern seine Kinder Kitty, Daisy & Lewis nennt, sieht ihre anachronistische Popstarkarriere natürlich schon irgendwie vor sich. Ob die Eltern Durham vernünftig genug waren, trotzdem noch Geld für die Uni beiseitezulegen, ist nicht bekannt, inzwischen dürften sie es aber getrost versaufen. Zum dritten Album sind die Geschwister vom niedlichen Beweis für den Sinn musikalischer Früherziehung zu einer talentierten Gruppe herangewachsen, die ihr Werk so locker nimmt, wie es nur Profis können. Mit den entspannt swingpoppenden Songs auf The Third ließen sich problemlos Rheinkreuzfahrten oder die Aufwärmphase im Tortencontest beschallen, nur dass sich neben den Ü60-Teilnehmern die nachfolgenden Generationen drängelten, weil es hier eben nicht einfach darum geht, Rock 'n' Roll, Funk und Blues so zu spielen, wie ihn andere mal erfunden haben, sondern um zeitgemäße Eigenkreationen. Die Eltern Durham müssen so stolz sein.