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Laura Marling: Short Movie (Caroline/Universal)

Der Zuschreibung "Britfolk-Darling" kann eine aufstrebende englische Musikerin nur entfliehen, wenn sie die Insel verlässt und sich unsichtbar macht. Vor zwei Jahren ist Laura Marling von London nach Los Angeles gezogen – ihr Überflieger-Album Once I Was An Eagle im Nacken und vor sich die ganz große Ungewissheit, wie es weitergehen sollte. Statt sich sofort an das Nachfolgeralbum zu machen, las sie, kochte in einem Restaurant und verbrachte sehr viel Zeit mit sich und der Frage, ob Musik überhaupt noch das Richtige sei.

"Is it still okay that I don't know how to be alone?", fragt sie nun in False Hope, dem zweiten Song ihrer Platte Short Movie, mit der sie die Frage nach dem Musikmachen zumindest für den Moment beantwortet hat. Etwas anderes hätte man auch nicht erwartet von der Sängerin und Gitarristin mit der weisen Stimme, die immer klingt, als würden Joni Mitchell und Suzanne Vega gemeinsam im Cabrio durch die Staaten fahren, hier gezupfte Gitarren und dort Streicher aufsammeln und sie wieder fallenlassen. Dass sie diese Selbstfindungsphase brauchte, ist trotzdem verständlich bei einer, die mit gerade einmal 25 schon ihr fünftes Folkalbum veröffentlicht. Selbst produziert hat sie diesmal außerdem, alles andere konnte sie ja schon.


 

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Liturgy: The Ark Work (Thrill Jockey/Rough Trade)

Für Liturgy ist Selbstfindung keine Phase, sondern Prinzip. Spätestens ihr zweites Album Aesthethica brachte 2011 all die Brooklyn-Styler um sie herum dazu, sich zum Black Metal zu bekennen, und die echten Kuttenträger dazu, ihm auf ewig abzuschwören. So verkopft und so halsbrecherisch, so präzise und so ausschweifend, so gewaltig und so spindeldürr hatten sich bis dahin nicht einmal die mathematischsten Nerds an den Metal gewagt. Den Herren von Liturgy war aber damals schon klar, dass es so nicht weitergehen würde.

Vier Jahre später gibt sich The Ark Work nun sämtliche und gar keine Mühe, die letzten Skeptiker vor die Tür zu zerren. Das Zugänglichste am knapp einstündigen Album ist noch die Fanfare ganz zu Beginn; danach ergehen die vier Musiker um den Sprechsänger Hunter Hunt-Hendrix sich in einer lärmenden Orgie aus kreischenden Sägen, kaputten Türklingeln, suizidbombenden Rentierschlitten und satanischen Rückwärts-Dudelsäcken. Mit Black Metal hat das nur noch den grundsätzlichen Mindfuck gemeinsam, ansonsten gehört das dritte Album der New Yorker irgendwo zwischen die sodbrennendsten Alpträume von Yoko Ono und eine Weltraum-Hippie-Jamsession von The Dillinger Escape Plan. Kann man sich wirklich nicht anhören, kann man aber auch nicht lassen.

  


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Scott Matthew: This Here Defeat (Glitterhouse/Indigo)

Die Spezialität von Scott Matthew ist, dass man immer denkt, gleich stürzt alles zusammen. Und dann bleibt doch alles stehen. Ein einziges großes Hinarbeiten ohne Ankommen sind die Songs des bärtigen, aktuell bedutteten Australiers, der mit zittriger Stimme von der Einsamkeit haucht. Ruined Heart oder Palace Of Tears heißen seine Lieder, Soul To Save oder Bittersweet, und ganz genau so klingen sie auch.

Immer wäre der nächste Moment der passende, all die Geigen hinter ihm endlich dramatisch aufspielen zu lassen, die sanft gestrichene Gitarre zu verzerren oder den Tasten des Klavier ein wenig vom eigenen Schmerz abzugeben. Und immer ist der nächste Moment ein weiterer, in dem Matthew sich wieder nicht aufraffen kann. Wunderschön erschöpft ist es, wie er sich leergeweint hat und jetzt sein zerbrochenes Herz betrauert. Dass man dazu das eigene ganz gut weiterschenken kann, ist romantische Ironie.



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We Are The City: Violent (Sinnbus)

Die Probleme von We Are The City sind vergleichweise harmlos, deshalb ist es auch ihre Musik. Der Gitarrist stieg nach dem ersten Album aus und vor dem zweiten wieder ein, und das Haus, in dem sie schließlich aufnahmen, wurde anschließend abgerissen. So leidet man verlustfrei, aber sonst hätten die Kanadier ja gar nichts zu erzählen. Ihre Verarbeitungssongs sind angenehmer Indiepop, der sich mit reichlicher Instrumentierung inklusive Synthies, Klatschbeats und Klavier gut in einer Telefonanbieterwerbung machen würde. Was ja nun nichts Schlechtes ist.

Stimmungsmäßig schwankt das unsinnig betitelte Violent von leiser Euphorie bis zu leise klagender Trauer; die stetige Veränderung ist das eine große Thema von We Are The City, ein anderes ist Freundschaft. "It hurts when friends are hurting", singen sie in Friends Hurt, und das ist so lieb und meistens auch wahr gesagt, dass man ihnen auf den Festivals im Sommer schon einen guten Slot im Zelt wünschen möchte.