Die Wahl des neue Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker ist am Montag ohne Ergebnis geblieben. Das teilte Orchestervorstand Peter Riegelbauer am Abend nach einer elfstündigen Sitzung der Orchesterversammlung in Berlin mit. Die Philharmoniker wollten nun innerhalb eines Jahres wieder zu einer Wahl für einen Nachfolger von Chefdirigent Sir Simon Rattle im Jahr 2018 zusammenkommen.

Bis dahin solle die interne Diskussion über die besten Kandidaten weitergeführt werden. Das Orchester sei zu mehreren Wahlgängen zusammengekommen, die ergebnislos geblieben seien.

Die 124 Orchestermusiker hatten sich am Vormittag zur Abstimmung über die Nachfolge von Rattle versammelt. Im Gespräch dafür waren unter anderen die Dirigenten Andris Nelsons, Gustavo Dudamel, Christian Thielemann und Daniel Barenboim.

Der Posten des Chefdirigenten gilt als der wichtigste in der Welt der klassischen Musik. Die Wahl erfolgt im Geheimen, über das Verfahren weiß man aber so viel: In einer ersten Runde können die Musiker jeden Dirigenten vorschlagen. Nach einer Diskussion wird eine Shortlist erstellt, über die abgestimmt wird. Notwendig ist eine "deutliche Mehrheit", wie Philharmoniker-Sprecherin Elisabeth Hilsdorf sagte. Der Auserwählte soll dann angerufen und gefragt werden, ob er den Posten übernimmt.

Ursprünglich war ein Ergebnis für 14 Uhr erwartet worden, dann zog sich die Entscheidung doch in den Abend und wurde ohne Ergebnis abgeschlossen. Zahlreiche Journalisten sowie Kamerateams warteten stundenlang vor der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem. Der Ort war zunächst geheim gehalten worden. Das Gotteshaus dient seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wegen seiner guten Akustik auch als Aufnahmestudio für die Philharmoniker.     

Rattle hatte 2014 angekündigt, dass er seinen Vertrag über das Jahr 2018 nicht verlängern wolle. Der Brite ist seit 2002 im Amt. 2017 tritt er als Chefdirigent des London Symphony Orchestra an und will dann ein Jahr lang zwischen Berlin und London pendeln.