Die ESC-Jury in Sydney wird von der Musikmanagerin Amanda Pelman geleitet. Ihre Meinung und die ihrer Jury-Kollegen bestimmt die australische Stimmabgabe aber nur zur Hälfte. Die andere Hälfte der Punktevergabe fußt auf der Bewertung der Fernsehzuschauer. Die müssen früh aufstehen, wenn sie die Live-Übertragung des ESC verfolgen wollen. Wegen der Zeitverschiebung beginnt diese um 5 Uhr morgens.

Mit der australischen Pop-Ikone Kylie Minogue hat Amanda Pelman vor Jahren den ersten Vertrag bei einem Plattenlabel ausgehandelt. "Außer Kylie gibt es nur wenige australische Bands, die zu Weltruhm gekommen sind." AC/DC, Men at Work und die Bee Gees fallen ihr ein. Dass auch Interpreten wie Nick Cave und Delta Goodrem und die Bands Savage Garden, INXS und Empire of the Sun aus Australien stammen, wüssten hingegen nur wenige. Gleiches gelte für Johnny Logan, der den Song Contest zwei Mal für Irland gewann, aber – weithin unbekannt – in Melbourne geboren ist.

Und nun Guy Sebastian. Nutzt er den Auftritt in Wien? Obwohl er in Malaysia geboren ist: Sollte er gewinnen, wäre es ein Sieg für Australien. Die australische Einwanderungspolitik des Landes verlangt von Immigranten nach Verleihung der Staatsbürgerschaft, dass sie ihre frühere Identität weitgehend abstreifen. "Wir sehen in jedem Einwanderer einen Australier – und das gilt natürlich auch für Guy Sebastian", sagt Amanda Pelman. Mit intensiven Integrationsbemühungen versucht das Land, die Kluft zwischen den unterschiedlichsten Kulturen in Down Under zu überbrücken. Dass Guy Sebastian nun Australien in einem europäischen Gesangswettbewerb vertritt, ist in mehrerlei Hinsicht ein Zeichen gelungener Integration.