ZEIT ONLINE: Mrs. Murphy, Sie sind wieder da. Was ist in den vergangenen sieben Jahren passiert?

Róisín Murphy: Ich habe zwei Kinder bekommen, hier und da ein paar Tracks aufgenommen und dann im vergangenen Jahr das Italien-Projekt Mi Senti veröffentlicht. Ich mache Sport und rauche auch nicht mehr.

ZEIT ONLINE: Wie haben Sie aufgehört?

Murphy: Ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben auf Disziplin konzentriert. Wenn man etwas trinkt, möchte man dazu rauchen. Wenn man ein Stück Kuchen isst, möchte man noch ein Stück. Zumindest geht es mir so. Ein paar Monate lang war ich komplett clean, um mit dem Rauchen aufhören zu können.

ZEIT ONLINE: Auf Ihrem neuen Album Hairless Toys klingen Sie sanfter, zurückgelehnt, nicht mehr so angriffslustig wie früher mit Moloko. Inwiefern spiegelt sich Ihre persönliche Entwicklung in Ihrer Stimme?

Murphy: Da ist schon eine gewisse Reife hinzugekommen. Mit Mi Senti habe ich sehr viel über das Singen gelernt, weil ich Songs von anderen Künstlern interpretiert habe. Meine Stimme hat mit jedem Album etwas an Affektiertheit verloren. Auf Do You Like My Tight Sweater

ZEIT ONLINE: … dem Debütalbum Ihrer damaligen Band Moloko, das vor 20 Jahren erschien …

Murphy: … ja, da hatte meine Stimme schon etwas ganz Pfiffiges – und es ist okay, kokett und gekünstelt zu klingen, wenn man jung ist. Aber mit der Zeit sollte auch die Tiefe wachsen. Und als wir 2003 Statues, das letzte Moloko-Album gemacht haben, habe ich nach meinem ganz persönlichen Ausdruck gesucht.


ZEIT ONLINE:
Ich muss zugeben, Statues ist für mich eines der besten Popalben überhaupt. Was bedeutet es Ihnen?

Murphy: Es entstand in einer grauenhaften, unglaublichen, merkwürdigen, schwierigen, herzzerreißenden Zeit.

ZEIT ONLINE: Sie hatten sich gerade von ihrem Moloko-Kollegen und Partner Mark Brydon getrennt.

Murphy: Ich hatte bis dahin nur Alben mit meinem Freund zusammen gemacht. Und ich wusste, dass dies unser letztes sein würde. Es war völlig unklar, ob sich meine Karriere danach irgendwie fortsetzen würde. Aber ich erinnere mich an Eddie Stevens, mit dem ich jetzt auch das neue Album geschrieben habe, wie er für Statues seine eigenen Streicherarrangements dirigierte. Und ich dachte: "Wahnsinn, was für ein Leben ich habe. Ich schaue einem 50-köpfigen Orchester zu, das zu meiner Stimme spielt und von meinem besten Freund dirigiert wird." 

ZEIT ONLINE: Wie schreiben Sie an Ihren Songs?

Murphy: Damals mit Moloko haben wir auf die Eingebung gewartet. Wir hatten unser eigenes Studio, es war wie eine Band als Ehe. Wir konnten schreiben, wann wir wollten und die Alben abgeben, wann wir wollten. Als ich später mit Matthew Herbert an meinem ersten Soloalbum Ruby Blue gearbeitet habe, war es ganz anders. Er war einer von der Sorte: "Ich fange um 11 Uhr an und bin um 18 Uhr hier raus." Auch daran habe ich mich gewöhnt. Dann mit Overpowered (2007) stand ich unter großem Druck. Ich war ja selbst zu EMI gegangen und hatte verkündet "Ich werde ein Popalbum machen!" Und die sagten: "Hey klar, wir geben Dir eine Million Pfund." Ich habe mit sehr teuren Menschen in sehr kostspieligen Studios gearbeitet. Da musste ich reingehen und in die Hände spucken.