Sängerin Taylor Swift hat sich mit Apple angelegt und einen Erfolg erzielt: Wenige Stunden nach einem offenen Brief von Swift erklärte Apple, Musiker würden nun auch während der kostenlosen dreimonatigen Probezeit des neuen Streamingdienstes Apple Music Geld bekommen. Das war ursprünglich nicht vorgesehen. Die 25-jährige Swift hatte dies in einem Blogeintrag am Sonntag als "schockierend und enttäuschend" verurteilt.

Swift rief Apple eindringlich auf, die Zahlpause zu überdenken. "Wir bitten Sie nicht um kostenlose iPhones. Bitte verlangen Sie von uns nicht, Ihnen unsere Musik ohne Gegenleistung zur Verfügung zu stellen." Zugleich betonte die Sängerin, dass sie viel Respekt für das Unternehmen übrig habe.

Der Chef der Apple-Plattform iTunes, Eddy Cue, sagte dem Technologie-Blog Recode, Swifts offener Brief habe bei dem Konzern ein Umdenken ausgelöst. Er habe die Änderung mit Konzernchef Tim Cook besprochen. Apple werde die Künstler bei seinem Streamingdienst während der Gratis-Probezeit zu einem nicht näher genannten Tarif pro Abruf ihrer Songs bezahlen. Es ist unklar, was die Änderung Apple kosten wird.

Auch Independent-Labels hatten sich mit Apples Vorgehensweise unzufrieden gezeigt. Einige Kritiker verwiesen darauf, dass Apple zum Ende des vergangenen Quartals Geldreserven von mehr als 190 Milliarden Dollar hatte. Cue twitterte nun, Apple habe die Stimme von Swift und der Independent-Künstler gehört.

Beim Streaming wird die Musik direkt aus dem Netz abgespielt. Apple setzte bisher auf den Verkauf von Musik zum Herunterladen. Mit dem Start von Apple Music am 30. Juni steigt der iPhone-Konzern ins Streaming-Geschäft ein. In diesem Bereich ist bisher die schwedische Firma Spotify Marktführer.

Apple Music hat keine Gratis-Version – aber eine dreimonatige kostenlose Testphase für neue Nutzer. Da Apple in dieser Zeit kein Geld bekommt, wollte der Konzern auch keine Abgaben an Plattenfirmen zahlen, von denen ein Teil an die Künstler weiterfließt. Dafür sollten sie danach einen etwas höheren Umsatzanteil von 71,5 bis 73 Prozent bekommen, wie Apple-Manager Robert Kondrk vor einigen Tagen dem Tech-Blog Recode sagte. In der Branche gelten etwa 70 Prozent als üblich.

Bei den Gratisversionen der Streamingdienste wird die Musik durch Werbung unterbrochen und die Funktionen sind eingeschränkt. Zum Beispiel kann man nicht einzelne Songs auswählen. Für die Bezahlvarianten mit vollem Funktionsumfang gibt es bei den Konkurrenzdiensten meistens nur eine einmonatige Probezeit statt drei Monaten wie bei Apple.

Swift hatte im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt, als sie ihre Alben bei Spotify abzog, weil der Dienst auch eine werbefinanzierte Gratisversion hat. Die Sängerin sieht darin eine Entwertung von Musik. Jetzt hatte sie angekündigt, sie werde ihr aktuelles Album 1989 dem Streaming-Service von Apple vorenthalten.

Swifts Album 1989 verkaufte sich seit der Veröffentlichung im vergangenen Herbst allein in den USA rund fünf Millionen Mal. Apple dürfte mit dem Absatz über seine iTunes-Plattform einen erheblichen Anteil daran gehabt haben.