Man kann sich das heutzutage gar nicht mehr vorstellen, wie die Stone Temple Pilots, die Band, die den Ruhm von Scott Weiland begründete, in den neunziger Jahren angefeindet wurde: als Grunge-Attrappe, als miese Epigonen, als bloßes MTV-Produkt, als unauthentische Poser-Band, als Corporate Rockband etc. Das lag natürlich daran, dass bei Erscheinen des ersten Stone-Temple-Pilots-Album Core 1992 die gute, dynamische Zeit des Grunge fast wieder vorbei war, die Zeit, als diese Art von Rock auf einer lebendigen Underground-Kultur basierte. Auch Nirvana hatten da schon ihre liebe Not mit dem Wirbel, den ihr 1991 veröffentlichtes Album Nevermind auslöste. Kurt Cobain aber war der gute, der tragische Held des Grunge, Scott Weiland einer seiner sehr bösen, allerdings nicht viel weniger tragischen.

Geboren 1967 im kalifornischen Santa Cruz, gründete Weiland mit einem Freund zusammen Mitte der achtziger Jahre seine erste Band, aus der später die Stone Temple Pilots wurden, die gleich einen Vertrag bei einer großen Plattenfirma bekamen: Weil man mit Grunge-Bands viel Geld verdienen konnte, weil die Band den typisch schweren, manchmal zähen Rocksound zu spielen verstand, und weil Scott Weilands Stimme überdies wie eine Kreuzung aus der von Eddie Vedder und Chris Cornell klang, so schön sensibel hergekrächzt.

Ungeachtet der Anfeindungen, ein Poser und nicht glaubwürdig zu sein, lebte Weiland jedoch so ausschweifend, wie es sich für einen Rockstar gehörte, inklusive einer Vorliebe für Heroin, von dem er trotz vieler Entzüge vermutlich nie loskam. Die neunziger Jahre waren dennoch das große Jahrzehnt von Weilands Band. Fünf Alben erschienen bis 2001, die sich millionenfach verkauften.

Das Schicksal alternder Musiker

Wenn man sich nun wieder einmal Songs der Stone Temple Pilots anhört, zum Beispiel Monsterstücke wie No Way Out oder Sex and Violence oder einen Heuler wie Atlanta von ihrem vierten Album No 4, dann fällt auf, wie perfekt sie den Grunge hinbekommen haben, wie gut und schön schmerzerfüllt Weilands Balladen doch waren – aber auch, wie dieser Sound inzwischen aus der Zeit gefallen ist. Am Ende des Tages waren sie vielleicht wirklich die "elegant bachelors", als die sie der Rockironiker und dem Grunge eher fernstehende Pavement-Sänger Stephen Malkmus einmal in einem Song bezeichnet hat.

Weiland jedenfalls ereilte das Schicksal vieler alternder, in Bands erfolgreich gewordener Musiker der neunziger Jahre: Er veröffentlichte Soloalben, spielte bei der All-Star-Band Velvet Revolver, mit Mitgliedern von Guns'n'Roses und Suicidal Tendencies, feierte nach fast zehnjähriger Auszeit ein gar nicht mal so schlechtes Stone-Temple-Pilots-Comeback, bis er vor zwei Jahren wegen einiger Eskapaden von seinen eigenen Bandkollegen rausgeworfen wurde. Am Donnerstag nun ist er tot im Bandbus seiner neuen Soloband aufgefunden worden, vermutlich als Folge eines sehr konsequenten Rock'n'Roll-und Drogenlebens.