Im Streit um die Verwendung einer fremden Rhythmussequenz hat der Komponist und Produzent Moses Pelham vor dem Bundesverfassungsgericht einen Teilerfolg erzielt. Seiner Verfassungsbeschwerde wurde stattgegeben, der Fall muss nun neu vom Bundesgerichtshof (BGH) entschieden werden. Zugleich wiesen die Richter darauf hin, dass eine gesetzliche Bezahlpflicht eingeführt werden könnte. Außerdem sollte der Fall dem Europäischen Gerichtshof vorgelegt werden.

Um den Zwei-Sekunden-Beat streitet Pelham seit mehr als einem Jahrzehnt mit den Elektropop-Pionieren Kraftwerk. Pelham hatte die Sequenz 1997 ohne zu fragen aus dem Kraftwerk-Titel Metall auf Metall von 1977 kopiert und in Endlosschleife unter den mit der Rapperin Sabrina Setlur aufgenommenen Song Nur mir gelegt. Derzeit darf das Stück wegen dieses Samplings nicht verbreitet werden. Dagegen hatte Pelham gemeinsam mit anderen Produzenten und Musikern geklagt.

Der Bundesgerichtshof muss den Fall nun noch einmal bewerten. Seine Urteile trügen der Kunstfreiheit nicht hinreichend Rechnung, sagte Vizegerichtspräsident Ferdinand Kirchhof. Er begründete die Entscheidung mit der Kürze der Sequenz. Daraus sei ein neues, eigenständiges Kunstwerk entstanden, ohne dass Kraftwerk dadurch wirtschaftlichen Schaden habe. Ein Verbot würde "die Schaffung von Musikstücken einer bestimmten Stilrichtung praktisch ausschließen".

Pelham hatte sich im Prozess auf Artikel 5 des Grundgesetzes berufen, der die Kunstfreiheit schützt. Wenn er grundsätzlich nicht sampeln dürfe, könne es seine Kunstform nicht geben. Unter zehn Tonträgern seit 1989 enthielten seiner Meinung nach neun ein Sample.

Kraftwerk-Gründungsmitglied Ralf Hütter hatte Pelham Diebstahl geistigen Eigentums vorgeworfen. Unter Kollegen hätte es sich gehört, vorher anzurufen, hatte er im November in der Verhandlung in Karlsruhe gesagt. Der Bundesgerichtshof hatte 2012 zu Hütters Gunsten entschieden. Ein fremder Beat dürfe, egal wie lang er ist, nur dann kopiert werden, wenn er nicht gleichwertig nachgespielt wird, hatten die Richter geurteilt. Daraufhin hatte Pelham Verfassungsbeschwerde eingelegt.