Der britische Dirigent und Violinist Neville Marriner ist tot. Marriner starb am Sonntag im Alter von 92 Jahren, wie das von ihm gegründete Orchester Academy of St Martin in the Fields in London mitteilte. Marriner hatte die Academy 1958 ins Leben gerufen. Ihr musikalischer Leiter blieb er bis 2011. Einen seiner größten Erfolge feierte das als Kammerorchester gegründete Ensemble mit der Musik für den Erfolgsfilm Amadeus (1984), die sich 6,5 Millionen Mal verkaufte.

Der am 15. April 1924 im ostenglischen Lincoln geborene Marriner studierte am Royal College of Music und am Pariser Konservatorium. Seine Karriere begann er als Violinist beim London Symphony Orchestra. Nach einem Studium in den USA wandte er sich 1969 dem Dirigieren zu. In den USA gründete Marriner das Los Angeles Chamber Orchestra. 1979 wurde er zum musikalischen Leiter des Minneapolis Symphony Orchestra berufen.

Auch nach Deutschland hatte Marriner starke Verbindungen: Von 1983 bis 1989 war er Chefdirigent des Radio-Sinfonie-Orchesters Stuttgart. Seine Einspielungen umfassten die Werke der barocken und romantischen Musik bis zu zeitgenössischen Komponisten. Für seine musikalischen Verdienste ernannte Königin Elizabeth II. ihn 1975 zum Commander of the British Empire und erhob ihn 1985 in den Adelsstand. Seine Einspielungen brachten ihm zahlreiche Preise ein, darunter Grammys.

Noch wenige Tage vor seinem Tod stand Marriner am Pult bei einem Konzert im italienischen Padua. "Ich würde sterben", sagte er einmal der FAZ, "wenn ich aufhören würde zu dirigieren". Mit 90 Jahren leitete er sogar als ältester Dirigent die Sommerkonzertreihe Proms in der Londoner Royal Albert Hall.

Sein Nachfolger am Pult der Academy, der US-Violinist Joshua Bell, würdigte den Verstorbenen als einen der "außergewöhnlichsten Menschen, die ich gekannt habe". Marriner habe sich durch Brillanz, Integrität und Humor ausgezeichnet.