Der Musiker Marius Müller-Westernhagen hat bekannt gegeben, er werde seine Echo-Trophäen zurückgeben. Auf seiner Facebook-Seite und auf Bild.de teilte Müller-Westernhagen mit, dies betreffe die Auszeichnungen, die er zwischen 1992 und 2017 erhalten habe. Die Entscheidung des Musikers ist eine Reaktion auf die Auszeichnung der beiden Rapper Kollegah und Farid Bang in der vergangenen Woche. Ihr als antisemitisch kritisiertes Album wurde bei der Verleihung in Berlin ausgezeichnet.

Künstler hätten eine besondere gesellschaftliche Verantwortung, schrieb Müller-Westernhagen: "Sich hinter künstlerischer Freiheit zu verstecken oder kalkulierte Geschmacklosigkeiten als Stilmittel zu verteidigen, ist lächerlich." Provokation um der Provokation willen sei substanzlos und dumm. "Und eine Industrie, die ohne moralische und ethische Bedenken Menschen mit rassistischen, sexistischen und gewaltverherrlichenden Positionen nicht nur toleriert, sondern unter Vertrag nimmt und auch noch auszeichnet, ist skrupellos und korrupt." Aus diesem Grund werde er sich seinem Freund und Kollegen Klaus Voormann anschließen und die Auszeichnungen als Protest zurückgeben. 

Am vergangenen Donnerstag hatten die Rapper Farid Bang und Kollegah einen Echo für ihr Album Jung, brutal, gutaussehend 3 erhalten. In einer Liedzeile spricht Farid Bang über seine Erfolge beim Muskeltraining und sagt dabei, sein Körper sei "definierter als von Auschwitz-Insassen".

Bereits während der Preisvergabe in Berlin hatte Campino, der Sänger der Toten Hosen, die Auszeichnung der beiden Rapper kritisiert. Bundesaußenminister Heiko Maas bezeichnete sie wenig später als "beschämend". Mehrere Musiker gaben, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen, ihre Echos zurück.

Christian Höppner, der Präsident des Deutschen Kulturrats, kündigte an, sich aus dem Beirat des Musikpreises zurückzuziehen. Die Texte der Rapper Kollegah und Farid Bang bezeichnete er als "widerlich".

Der Echo gilt als wichtigste Auszeichnung in der deutschen Musikbranche. In den meisten Kategorien richtet sich die Verleihung nach dem Ergebnis der Verkäufe und einer darauffolgenden Juryabstimmung.