Der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim hat angekündigt, seine Echo-Preise zurückgeben zu wollen. Das gelte auch für die Auszeichnungen, die er mit den von ihm dirigierten Orchestern, der Staatskapelle Berlin und dem West-Eastern Divan Orchestra, erhalten habe. Anlass ist die Auszeichnung der beiden Rapper Kollegah und Farid Bang bei der diesjährigen Echo-Verleihung – trotz der Antisemitismusvorwürfe, die sich gegen sie richten.

Warten auf "adäquate Reaktion"

In einer Erklärung bezeichnete der 75-jährige Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper Unter den Linden, der neben der argentinischen auch die israelische, palästinensische und spanische Staatsbürgerschaft besitzt, die Texte des prämierten Rap-Albums "eindeutig als antisemitisch, frauenfeindlich, homophob und allgemein menschenverachtend". Die Debatte darüber habe er mit großer Bestürzung verfolgt und auf eine "eine adäquate Reaktion" der Verantwortlichen gewartet. Da diese nicht erfolgt sei, habe er sich zusammen mit den beiden Orchestern zu diesem Schritt entschlossen, teilte Barenboim mit.

"Kommerzielle Interessen dürfen nicht überwiegen, wenn es um so essenzielle Fragen des Anstands und unserer Menschlichkeit geht", schreibt Barenboim. "Wir müssen uns geschlossen gegen solche Stimmen erheben und dürfen sie nicht auch noch dadurch bestärken, dass wir sie mit Preisen auszeichnen und dadurch legitimieren."

Echo-Konzept soll überarbeitet werden

Das Album von Kollegah und Farid Bang enthält Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Dass sie dennoch ausgezeichnet wurden, löste eine Welle der Kritik aus. Etliche Künstler kündigten an, ihre Trophäen zurückgeben, darunter Marius Müller-Westernhagen und die Dirigenten Christian Thielemann und Mariss Jansons sowie der Pianist Igor Levit und das Notos Quartett.

Der jährlich verliehene Echo ist der wichtigste deutsche Musikpreis. In den meisten Kategorien richtet sich die Verleihung nach dem Ergebnis der Verkäufe und einer darauffolgenden Juryabstimmung. In strittigen Fällen wird ein Beirat angerufen. Im Fall des Albums Jung, brutal, gutaussehend 3 von Kollegah und Farid Bang hieß es vor der Verleihung, die künstlerische Freiheit sei in dem Text "nicht so wesentlich übertreten", dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre. Mittlerweile kündigte der Bundesverband der Musikindustrie als Veranstalter an, das Konzept der Preisverleihung zu überarbeiten.